Nr. 26/2018 vom 28.06.2018

Von Karin Hoffsten und Jürg Fischer

Namenlose

Die CVP freut sich, dass sie ihre «Heiratsstrafen»-Initiative vielleicht wieder unter die Leute bringen kann. Laut «Tages-Anzeiger» hat auch der Bundesrat dazu inzwischen einen Vorschlag gemacht: «Und zwar als Reaktion auf einen Vorstoss, den CVP-Ständerat» – so endet der Text. Der betreffende Ständerat wäre froh, wenn die Zeitung seinen Namen noch vor den Wahlen 2019 nachtragen könnte.
Karin Hoffsten

Geisterhafte

In Zürich spuke es «gespenstig wenig», meldete die gleiche Zeitung: «Heute geschäften in Zürichs einzigem Spukhaus die Privatbanker der CS. (…) das Geschäft lief ja in den letzten Jahren gespenstisch schlecht.» Wie sehr der Autor sich zu Herzen genommen hat, dass der Duden beides erlaubt, erscheint uns am gespenstischsten.
Karin Hoffsten

Mastige

«Zeit für Süsses! Es ist Tag-des-Schockoladenpuddings», rief uns «Watson» zu. Schockschwerenot!, geben wir da zurück, wir werden immer dicker.
Karin Hoffsten

Sportliche

Das erwähnte Regelwerk verdirbt uns übrigens auch unsern ewigen Sommerscherz, indem es die Formulierung «Das Thermometer kletterte am längsten Tag des Jahres auf neue Rekordwerte» (SDA) nicht nur duldet, sondern derart bewegliche Thermometer als Beispiel gleich selbst zitiert. Wir sagen nur: Wertezerfall allüberall.
Karin Hoffsten

Korrigierte

Auch auf infosperber.ch befasste man sich mit der Doppeladler-Geste, samt Nachtrag: «Den Vergleich mit Grossdeutschland und dem Hitler-Gruss sowie die Anführungszeichen von ‹Schweizer› haben wir entfernt, weil dies fehl am Platz war.» Da gehts uns hin und wieder ähnlich. Dass auch der Infosperber manchmal ein etwas schräger Vogel ist, haben wir zum Beispiel an dieser Stelle ebenfalls entfernt, weil dies fehl am Platz war.
Karin Hoffsten

Teilhaftige

«Das zufällige Aufeinandertreffen beider Ereignisse verdeutlicht, wie sehr die Sicherheitsarchitektur in Nordostasien sich mit der Annäherung der nordkoreanischen Staaten und Amerikas verschiebt», stand in der NZZ. Mal abgesehen davon, dass Amerika hier wie so oft für die USA steht, suggeriert das Zitat, dass sich innerhalb Nordkoreas neue Grenzen bilden – hoffen wir, dass hier kein atomarer Spaltpilz am Werk war.
Jürg Fischer

Planvolle

Auch wenn Todesanzeigen viel Geld kosten, sollte man der Versuchung widerstehen, allzu viele Informationen in einen einzigen Satz zu packen. «Viel zu früh und voller Pläne hat sein Herz plötzlich aufgehört zu schlagen», lasen wir unlängst. Wir wollen keineswegs pietätlos sein, aber Hand aufs Herz: Das musste ja einmal schiefgehen.
Jürg Fischer

Kollaterale

«Ihrer heimtückischen, mit grosser Würde und Tapferkeit ertragenen Krebskrankheit liess sich schliesslich keinen Einhalt mehr gebieten», lasen wir in einer anderen Todesanzeige. Unter die Leidtragenden, auch das sagen wir nicht gern, reiht sich der Nominativ.
Jürg Fischer

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