Nr. 02/2019 vom 10.01.2019

Mein Neujahrswunsch

Von Karin Hoffsten

Ausnahmsweise habe ich keine Lust, über unsere Landesregierung blöde Witze zu machen, das haben andere beim Betrachten des Bundesratsfotos 2019 schon zur Genüge übernommen: Grabkreuze, Metallnippel, Hasenohren, Minarette und mehr wollen sie in der reichhaltigen Symbolik hinter unseren MagistratInnen entdeckt haben.

Seit Jahren schon werden die Bundesratsfotos immer origineller; auf speziellen Wunsch von Bundespräsident Ueli Maurer oblagen Bildgestaltung und Regie diesmal ausschliesslich Lernenden des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation. Einzige Bedingung: Das Foto musste mit dem Handy gemacht werden – für Maurer Sinnbild einer modernen Schweiz. Laut «20 Minuten» soll das Vorgehen die Bundeskasse um 8500 Franken entlastet haben – unser Bundespräsident ist auch Finanzminister.

Das Werk heisst «Perspektivenwechsel», denn Ueli Maurer hält ein Smartphone in der Hand, mit dem er seinerseits «eine Gruppe von Bürgern» fotografiere, die im Fokus stünden. Zu sehen sind sie aber bloss als dunkle Hubbel im Vordergrund, wo sie die breit grinsenden BundesrätInnen halb verdecken.

Die jungen Menschen haben vom Produktionsprozess sicher profitiert. Als Teil der fokussierten Bevölkerung hätte ich aber statt origineller Fotos lieber eine originellere Politik, die unter «modern» mehr als Handys versteht: ohne Sozialdetektive und Waffenexporte, mit Klimaschutzmassnahmen und mehr Menschlichkeit.

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