Nr. 02/2019 vom 10.01.2019

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Inkontinente

Vor kurzem mussten wir an dieser Stelle die Analogie von den falsch gebildeten «ZüricherInnen» zu den noch verheerenderen UrinerInnen bilden und hofften, das Thema sei damit abgehakt. Doch nun entdeckten wir in der Berichterstattung der «Zuger Presse» über die neu gewählte Fasnachtszunftmeisterin im schönen Dorf Inwil den Titel «Eine Urinwilerin auf dem Thron». Aufgrund dieses sprachlichen Handicaps fänden wir eine starke Fluktuation in Inwil verständlich: Man zieht weg, bevor man zum beziehungsweise zur UrinwilerIn wird.
Jürg Fischer

Regelkonforme

«Hip-Hop ist eine Matcho-Kultur», erklärte uns die «Annabelle» und verdeutlichte in einer Bildlegende gleich, wie so ein Match verläuft: «Nackte Frauen tanzen leicht bekleidet um die Rapper herum (…).» Früher hatten wir ein anderes Konzept von Nacktheit – alles musste herunter. Doch dafür musste man nicht zwingend um Rapper herumtanzen.
Jürg Fischer

Transvestierende

Die «NZZ am Sonntag» liess eine Ethnologin über das Weltbild islamischer Migranten sagen: «Eine sogenannte ehrbare Frau trinkt keinen Alkohol, raucht nicht, geht nicht feiern.» Dabei haben sogenannte Frauen doch sowieso schon in fast allen Kulturkreisen nicht allzu viel zu lachen.
Karin Hoffsten

Trittunsichere

Dieselbe Zeitung wusste Erfreuliches zu Bastien Girod zu vermelden: «Der Grüne Nationalrat und Doktor der Umweltwissenschaften kommt nun auch mit seiner Habilitation zum Abschluss und tritt dann in den Lehrerstand auf.» Möge er beim Auftritt nicht danebentreten.
Karin Hoffsten

Verwechselte

«Sebastian Koch gibt ihn als knallharten Dealer, der auch als Opfer niemals Opfer ist», schrieb die Rezensentin der NZZ über einen Darsteller im Schweizer «Tatort». Zum Opfer wurde dabei allerdings der Schauspieler Roland Koch, der die Rolle in Wahrheit spielte. Und weil so ein Künstler ohne mediale Präsenz verhungern muss, bekommt er hier eine Extraerwähnung.  
Karin Hoffsten

Umlautige

Auch der Münchner «Abendzeitung» gefiel der genannte «Tatort» mehrheitlich: «Einziges Manko: das überdramatische Ende, bei dem die Macher vielleicht ein wenig über die Strenge schlugen …» Erschiessen gilt ja weitherum als strengste Massnahme.
Karin Hoffsten

Deutliche

Laut diversen Medien droht die deutsche Rüstungsindustrie der Regierung mit Schadenersatzforderungen, weil diese wegen des Kriegs im Jemen die Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien einstellte: «Rein politische Themen» könne man nicht auf dem Rücken von Unternehmen austragen. So hübsch hat noch niemand offengelegt, dass Kriege ausschliesslich der freien Marktwirtschaft dienen.
Karin Hoffsten

Verwirrende

Fröhlicher geht es laut «Luzerner Zeitung» bei der Quartettvereinigung Luzern zu: «Da geht kaum keiner ohne triftigen Grund direkt nach der Probe heim.» Manch einem ist bloss auf dem Heimweg ein wenig sturm im Kopf.
Karin Hoffsten

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