Nr. 06/2019 vom 07.02.2019

Pfarrer versetzt

«Waffen für den Krieg in Jemen: MTU Friedrichshafen GmbH …», WOZ Nr. 5/2019

Claudia S. Bühler fotografiert Orte, an denen Waffen produziert werden, mit denen Millionen Menschen getötet, verletzt und zu Flüchtlingen gemacht wurden. Jetzt fotografierte Frau Bühler MTU Friedrichshafen, eine Firma, die Motoren für Panzer herstellt.

Die Nazis liessen in Friedrichshafen ab 1933 die Rüstungsindustrie richtig in Schwung bringen. Mit Flugzeugen, Motoren, Getrieben wurde die Region zu einem kriegswichtigen Standort des Vernichtungskriegs von Hitler. Das mussten die Einwohner von Friedrichshafen teuer bezahlen. Friedrichshafen wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges, 1944, durch Bombardierungen der Alliierten in Schutt und Trümmer gelegt. Tausende Menschen starben oder wurden obdachlos.

Heute wird in Friedrichshafen wieder Kriegsmaterial produziert. Die Parole «Nie wieder Krieg» wurde ersetzt durch das Leitmotiv «Geschäfte mit dem Krieg». Heute sind die Rüstungsfirmen rund um den Bodensee grösser und mächtiger denn je. Ihre Produkte sind so tödlich wie noch nie.

Die meisten guten Bürger in Friedrichshafen haben sich mit der Rüstungsindustrie «arrangiert». Fast niemand stellt Fragen nach Sinn, Zweck, Moral und Schuld, stellt Fragen zu den Toten und den Zerstörungen, die von Friedrichshafen ausgehen. Rainer Schmid, ein Pfarrer, der zivile Produktion statt die Herstellung von Rüstungsgütern forderte, war in Friedrichshafen nicht mehr tragbar, er wurde von der Kirche nach Aalen in den Norden versetzt. Für Diskussionsveranstaltungen über die Produktion von Kriegsmaterial werden von der Kirche in Friedrichshafen keine Versammlungslokale zur Verfügung gestellt.

Heinrich Frei, Zürich

Freie Schulen sind offen

«Bildung: Privatschulen für alle?», WOZ Nr. 4/2019

Weniger Ideologie täte der Bildungsdiskussion sehr gut.

1. Behauptung: Die Elternlobby hat den Begriff «freie Schulen» erfunden. Tatsache: In anderen Ländern wird schon länger zwischen freien Schulen und Privatschulen differenziert: Privatschulen sind privat finanziert, nicht alle Kinder haben Zugang. Freie Schulen hingegen sind offen für alle Kinder, unabhängig von Geld, IQ, Religion, Ethnie et cetera. Daher sollten staatlich anerkannte freie Schulen auch dieselbe finanzielle Unterstützung erhalten wie öffentliche Schulen.

2. Behauptung: Nur staatliche Schulen nehmen Kinder mit einem höheren Betreuungsaufwand auf. Tatsache: Freie Schulen nehmen sehr wohl viele sogenannt «schwächere» Kinder auf (denn in freien Schulen wird mit Erfolg auf Stärken und Potenziale fokussiert). Im Gegensatz zu gewissen gewinnorientierten Privatschulen legen freie Schulen den Fokus nicht auf das Geld, sondern auf das Wohl der Kinder. Im Gegenteil, nur mit sehr viel persönlichem Idealismus können viele freie Schulen überhaupt existieren! Ganz nebenbei sind sie auch noch eine grosse Hilfe und Entlastung für das öffentliche System, das nämlich zunehmend an seine Grenzen kommt.

3. Behauptung: «Ein Blick in die USA genügt.» Tatsache: Gerade die USA sind ein sehr schlechtes Beispiel, da sie grundsätzlich grosse gesellschaftliche Ungerechtigkeiten haben, die sich in der Bildung gezwungenermassen widerspiegeln. Auf der Website der Elternlobby werden verschiedene Schulsysteme diverser Länder kurz vorgestellt. Darunter sehr interessante Entwicklungen in Finnland, Schweden, Norwegen et cetera. Der Blick in den Norden ist daher sehr spannend und inspirierend.

Simone Stocker, Murten

Kein Wort dazu

Natürlich könnte dazu jetzt noch viel mehr geschrieben werden. Aber ich frage bloss knochentrocken: Wie kommt es, dass in der WOZ kein Wort über den Women’s March vom 19.  Januar in Zürich mit etwa 4000 mehrheitlich sehr jungen Teilnehmer*innen zu lesen ist?

Barbara Thurnher, per E-Mail

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