Nr. 06/2019 vom 07.02.2019

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Androgyne

«Als die Polizei das Gebäude betrat, in dem diese Person gelebt hat, wurde ein Schuss abgegeben. Warum und von wem, ist unklar. Nachdem Verstärkung eingetroffen ist, wurde der oder die 59  Jahre alte Person tot aufgefunden. Eine Fremdeinwirkung schliesst die Polizei aus», lasen wir auf bluewin.ch. Die Unschuldsvermutung muss hier gleich doppelt gelten, denn keinem Geschlecht wurde auf den Schlips getreten.
Jürg Fischer

Gerichtsmedizynische

Von den Ergebnissen einer «Obuktion» war in verschiedenen Medien online und in der Druckversion zu lesen, darunter die «Süddeutsche Zeitung» und die «Weltwoche». Unsere Pathologie hat scharfsinnig gefolgert, dass es hier schon zu Lebzeiten zu einer Organentnahme gekommen war.
Jürg Fischer

Streitsüchtige

In der WOZ war letzte Woche zu lesen, vor dem Minenunglück im brasilianischen Gliedstaat Minas Gerais sei es zu heftigen «Streits» zwischen VertreterInnen des Minenbetreibers und der Umweltbehörde gekommen. Freundlich wurden wir von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, dass es sich bei «Streit» um ein Singularetantum handle, also ein Wort, das nur in der Einzahl vorkommt. Der Duden lässt allerdings seit einiger Zeit die «Streite» zu, wahrscheinlich unter dem Druck der Strasse. Vermutlich dauert es noch ein, zwei Auflagen, dann werden auch die «Streits» abgesegnet. Wir arbeiten daran!
Jürg Fischer

Erzieherische

Der Kanton Luzern will die Gesundheitskosten senken und verkündet auf Plakaten: «Gehen Sie nicht wegen jedem Bobo zum Arzt!» Illustriert wird der Slogan mit einem Konterfei von DJ Bobo. Haha, denkt man, wie billig. Doch wenn andererseits Nomen Omen sein soll, sind der werberischen Fantasie natürlich kaum Grenzen gesetzt: «Machen Sie mit Ihrem Blocher nicht den Boden kaputt!», «Geniessen Sie den Cassislikör mit Zurückhaltung!» Mache weitere lustige Beispiele.
Jürg Fischer

Trübsinnige

Die «SonntagsZeitung» wusste: «Spott enthält oft ein Kern Wahrheit.» Das schon, aber oft enthält er auch ein Fallfehler und richtet sich dann gegen sich selber. Nicht gut drauf war am Dienstag auch die Nachrichtensprecherin von Radio SRF, die verkünden musste: «Im Norden hat es gebietsweise zäher Hochnebel.» Bei dieser Wetterlage fällt es offensichtlich schwer, den Akku(sativ) aufzuladen.
Jürg Fischer

Mundartliche

Laut «Blick» schritt eine «elegante Schönheit» neben einem «Rüppel mit Schlabberpulli» durch die Nacht. So spreche der Helvete / die Helvetin den Rüpel nun mal aus, wurden wir gewarnt. Drum sind wir sicher, dass der Rüppel seiner Schönheit im Bett einen helvetischen Schmöcker vorliest.
Karin Hoffsten

Verkürzte

«Die Schweizer sind A***löcher», zitierte «20 Minuten» Shawne Fielding, Exbotschaftergattin und heute als «Society-Lady» tätig. Die Zahl der Sternchen lässt vermuten, dass man in der Redaktion nicht genau weiss, wie sich die betreffende Körperöffnung schreibt. Ein Aschloch dient ausschliesslich dem Schuss in den Ofen.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch