Nr. 09/2019 vom 28.02.2019

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Hochbegabte

«Eine verbindliche Zusage ist gemacht, beide haben zur Beziehung Ja gesagt. Alfred schreibt diesen warmherzigen Brief in kunstvoll kalligafrischen Lettern», beschreibt das «Migros-Magazin» einen alten Liebesbrief. Ja, wir wünschten uns mehr so schön geschriebene Dokumente und mehr orthogafrische Sorgfalt. 
Jürg Fischer

Arithmetische

«Emmanuel Macron steht nach achtzehn Monaten an dem Punkt, an dem seine Vorgänger Sarkozy und Hollande nach anderthalb Jahren angelangt waren», analysierte die NZZ. Der französische Präsident ist demnach einfach immer ein bisschen schneller als andere. Genauso wie eine Erkältung ohne Medikamente sieben Tage dauert, mit dagegen nur eine Woche.
Jürg Fischer

Ornithologische

«Und als sie vor zwei Jahren mit Vögelgeräuschen arbeitete, tat sich eine neue Welt auf», entwischte es dem Onlinemagazin «zentralplus» über eine Luzerner Soundkünstlerin. Endlich sind wir einmal froh über die blöde Autokorrektur. Denn gerne erinnern wir uns: «Je t’aime … moin non plus.»
Jürg Fischer

Intolerante

Am Tag vor der sogenannten Missbrauchskonferenz erklärte der SRF-Korrespondent in Rom für «10 vor 10», was sich die angereisten Missbrauchsopfer erhofften: «Sie alle fordern null Toleranz. Nicht nur gegenüber den Opfern, sondern auch gegenüber all jenen, die in der Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch in der Zukunft Schlimmes in der Kirche verschweigen wollen.» Bei so viel Masochismus wird das ja nie was mit der Genugtuung.
Karin Hoffsten

Sportliche

Wir haben nie behauptet, über spezielle fussballerische Kompetenz zu verfügen, aber bei dem, was gemäss Onlineportal «zentralplus» Rolf Fringer äusserte, gerieten wir wirklich an Grenzen: «Wenn sich ein René Weiler dann ein René Weiler verärgert ist, müsse man sich nicht wundern. Aber das sei halt Luzern. ‹So lange das so ist, dreht man sich da im Kreis›, heisst es im ‹Blick›», mit dem wir ausnahmsweise vollkommen einverstanden sind.
Karin Hoffsten

Historische

Da sich auch diese Zeitung neuster Technologien bedient, informieren sich viele unserer LeserInnen längst via WOZ-App. Dort hiess es im Bericht über antisemitische Strömungen in der Raiffeisen-Bewegung: «Entsprechende Äusserungen finden sich beim bernischen Genossenschaft-spionier Edmund von Steiger (…)», worauf App-Leser S. fragte, ob «Genossenschaft-Spioniere die Vorgänger der aktuellen Sozialdetektive» seien. Es freut uns, dass der zeitgenössische Zugang zu WOZ-Texten hin und wieder vertiefte Interpretationen ermöglicht, und sagen nur: Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen. Oder so.
Karin Hoffsten

Empathische

«Der mutmassliche Täter wurde Minuten nach dem Vorfall alkoholisiert festgenommen», stand im «Tages-Anzeiger». Der Zürcher Alkoholisierte Zugriff (ZAZ) gilt längst als State of the Art moderner Polizeiarbeit.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

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