Nr. 10/2019 vom 07.03.2019

Homo ludens

Von Karin Hoffsten

Eigentlich wollte ich mich zur Feier des 8. März nur an der Ernennung der ersten Schweizer Kampfjetpilotin erfreuen. Am extra veranstalteten Medientermin fragte ein Reporter von «Nau.ch», ob Fliegen für Frauen körperlich belastender sei als für Männer, wohl die Antwort erhoffend: Nein – nur wenn ich meine Tage habe, wirds schwierig. Aber sie sagte nur: Nein.

Die hoch qualifizierte junge Frau ist so attraktiv, dass ich spontan an Internetschminktutorials denken musste, was hier nicht hingehört, aber solche Nebenwidersprüche trüben mitunter das Bewusstsein. Und obwohl nicht nur die Armee, sondern auch das Fliegen als solches inzwischen als völlig unzeitgemässe Konzepte erkannt wurden, wünsche ich der coolen Pilotin alles Gute.

Schluss mit lustig war aber, als ich vom neu lancierten Game «Rape Day» erfuhr, zu deutsch «Vergewaltigungstag»: Der Gamer bringt das Spiel voran, indem er möglichst viele Frauen tötet und vergewaltigt. «Ich wollte ein Spiel machen, das mich unterhält», zitierte «Watson» den Entwickler: «Vier Prozent der Bevölkerung sind Soziopathen, und die Geschichte dürfte auch anderen Leuten gefallen.»

Nicht dass mir andere Shootergames sympathischer wären. Aber beim Gedanken, die kleinen Idioten, die sich kürzlich im Shoppingcenter Spreitenbach für ihre Ehre verprügelten, könnten so in aller Ruhe das Vergewaltigen üben, wird mir schlecht.

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