Nr. 10/2019 vom 07.03.2019

Von Karin Hoffsten und Jürg Fischer

Seherische

«16-jährige Schwedin will Hunderte Schüler zum Klima-Protest in der City mobilisieren. Schulbehörde warnt vor Schwänzen», titelte das «Hamburger Abendblatt» vor Greta Thunbergs Anreise. Wir sehen da vor allem die historische Dimension: Schon Kurt Tucholsky erkannte 1931 die wahren Gefahren für die Menschheit, die er im schwedischen Schloss Gripsholm seiner Freundin Lydia in den Mund legte: «Ach du liebes Gottchen, behüte unser Lottchen vor Hunger, Not und Sturm und vor dem bösen Hosenwurm.»
Karin Hoffsten

Treffliche

Das Bezirksgericht sprach den Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid wegen übler Nachrede schuldig. Die «Limmattaler Zeitung» kommentierte, er sei «nicht der erste Politiker, der einen Kontrohanten auf Social Media Plattformen blossstellt». Das ist doch mal ein gut platzierter richterlicher Konterhaken.
Karin Hoffsten

Zuversichtliche

Seit im Januar eine Drohne mit Blutproben in den Zürichsee stürzte, bewegt das Thema die Bevölkerung. Doch der Laborleiter bleibt optimistisch, wie die NZZ schrieb: «Für ihn war der Versuch mit den Drohnen bis zum Absturz aber ein Erfolg.» So sahen das die deutschen Zeppelinbauer sicher auch, als 1937 die «Hindenburg» mit fast hundert Menschen an Bord brennend abstürzte.  
Karin Hoffsten

Geangelte

«Man weiss, dass Fische Schmerz, Furcht und Angst empfinden. (…) Die Wissenschaft sieht das so, und wenn man bestreiten will, dass Fische keinen Schmerz empfinden, muss man ganz starke Gegenargumente haben», schrieb die «Basler Zeitung». Dass wir Menschen angesichts dieser doppelten Verneinung Schmerz empfinden, dessen könnte sich die Wissenschaft aber auch einmal annehmen.
Jürg Fischer

Sandige

Immer wieder gerne lesen wir Manfred Papsts Kolumne «Zugabe» in der «NZZ am Sonntag». Doch jetzt stand da: «1967, da war ich elf, gewann die Britin Peggy March in der Wiener Hofburg mit ‹Puppet on a String› den European Song Contest, wie er heute heisst. Was für ein Song!» Hier hat Papst nicht damit gerechnet, dass auch wir 1967 schon Zugang zu audiovisuellen Medien hatten. Und wir erinnern uns, dass das Lied nicht von (der US-Amerikanerin) Peggy March vorgetragen wurde, sondern von der Britin Sandie Shaw. Was für ein Ohrwurm, sagen aber auch wir, und der Sonntag war gelaufen: «I wonder if one day that, / You’ll say that, you care …»
Jürg Fischer

Alternativlose

«HNA ist derart klamm, dass in einigen chinesischen Tochtergesellschaften die Dezember-Löhne verspätet und die Januar-Saläre lange gar nicht überwiesen wurden», schrieb die «NZZ am Sonntag». Wenn wir die Wahl hätten zwischen «verspätet» und «lange gar nicht», entschieden wir uns fürs Erste, in der Hoffnung, es sei früher als «schliesslich doch noch».
Jürg Fischer

Elektrisierte

Unser Draht nach ganz oben scheint doch stärker, als wir immer vorgeben. In der WOZ stand nämlich im Bericht aus der Ostukraine letzte Woche dies: «Sogar die nicht mehr funktionierenden überirdischen Stromleitungen sind vor Diebstahl nicht sicher.» Was Leser M. zur treffenden Folgerung verleitete: «Die WOZ verwandelt sich wieder mal zu WÜZ und spricht mit Wohltönenden Überirdischen Zungen.»  
Jürg Fischer

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