Nr. 12/2019 vom 21.03.2019

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Rechenschwache

«Statistisch kommen auf tausend Spitzensportlerinnen in der Leichtathletik 7,1 mit Testosteronspiegel. Diese Zahl ist deutlich höher als der allgemeine Durchschnitt. Man geht davon aus, dass maximal 1,5 Prozent der Menschen unterschiedliche Geschlechtsmerkmale aufweisen», so die «Aargauer Zeitung» bezogen auf intersexuelle SportlerInnen. Die Zeitung hat mit dieser Rechnung weniger ein Identitätsproblem als ein unbehandeltes Dyskalkulieleiden.
Jürg Fischer

Steuerparadiesische

Zentralplus.ch tut sich schwer mit Genderbestimmungen: «Der Kanton Zug soll Pionierin in Sache Nachhaltigkeit werden». Ob man Kantone dahingehend umbauen sollte, wäre aber tatsächlich zu erwägen. Sie riskierten dann nicht mehr so oft, von Ständerräten vertreten zu werden.
Jürg Fischer

Watschelnde

Im Kanton Luzern wird dagegen mit tierischen Mitteln Wahlkampf gemacht, so zumindest interpretieren wir das Flugblatt der Jungen Grünliberalen Lozärn: «Gegen eine überbordente Sparpolitik». Wählt grünliberal – bleibt die Ente an Bord, lebt es sich in Saus und Braus.
Jürg Fischer

Wertschätzende

«Laut Mazzucato führt die Art, wie heute Ökonomen Wert definieren, nicht nur zu einer Verdrehung der wahren Verhältnisse, sondern auch zu vielen Fehlentwicklungen. Im Kern gelte heute als Wert das, wofür auf einem Markt ein Preis bezahlt wird. Wie die Autorin in einem eigenen Kapital ausführt, hätten dem die früheren Ökonomen wie Adam Smith, David Ricardo oder Karl Marx klar widersprochen», schreibt der «Bund». Schon klar: Für weniger als ein Kapital greifen ökonomische AutorInnen heute nicht mehr zur Feder.
Jürg Fischer

Unverdaute

Während wir kürzlich die bei Migros erstandenen Ravioli einer Eigenmarke, gefüllt mit Linsen und Quinoa, im Kochtopf vor sich hinsimmern liessen, entdeckten wir auf der Verpackung diesen Satz: «Hinweis: 200 g Al-dente-Frischeierteigwaren entsprechen ca. 250 g gekochten Frischeierteigwaren.» Das brachte uns schwer ins Grübeln. Litt, wer auch immer das getextet hatte, an irgendeiner akuten Unterversorgung? Hätte man die Dinger gar nicht kochen sollen, damit sie al dente bleiben? Wüsste man dann, warum man für 200 Gramm so viel bezahlt hat wie sonst für 250 Gramm (weil man länger zum Kauen braucht)? Wir konnten das Rätsel nicht lösen, entschieden uns aber, das nächste Mal Selbstgekochtes zu essen, statt Convenience-Food zu mampfen.
Jürg Fischer

Verbogene

Das Verb – Nichtfachleuten auch als «Tuwort» bekannt – hat es schwer in der heutigen Zeit. Was unschöne Beugungen angeht, liegt tagesanzeiger.ch ganz vorn. Erst «erschaffte» ein Künstler 45 000 Werke, dann «bezwingte Roger Federer seinen Freund Stan Wawrinka». Auch SRF lässt sich nicht lumpen. In der Vorschau zum «Club» übersetzte die Moderatorin Greta Thunbergs berühmte Forderung mit: «Ich will, dass ihr in Panik gerät!» Jetzt wartet WOZ-Leser M. «auf einen ‹Club› über den sorgfältigen Gebrauch der deutschen Sprache». Wir auch.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

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