Nr. 15/2019 vom 11.04.2019

Die Macht der Metapher

Von Karin Hoffsten

Alle denken ja, Bundespräsident Ueli Maurer habe mal wieder keine Lust gehabt, als er am Montag das Fernsehstudio verliess, statt dem «Eco»-Moderator Red und Antwort zu stehen. Er ging, weil im Beitrag zum Thema Steuerreform, über die er sprechen sollte, das Sprachbild «alter Wein in neuen Schläuchen» verbal und filmisch ausgiebig zelebriert wurde.

Wie sich einige Menschen messerscharf erinnern, hat Ueli Maurer aber in der Sommersession 2018 schon selbst über die Steuervorlage zu Protokoll gegeben, «dass sie eigentlich die gleichen Mängel hat, die die Unternehmenssteuerreform III hatte». Das ist zwar trockener als alter Wein in neuen Schläuchen, aber inhaltlich doch recht ähnlich. Ich ziehe den Schluss: Der Mann hat Mühe mit Metaphern.

Sollten noch mehr SVP-ParteiexponentInnen an einer solchen Hypersensibilität leiden, könnte man vielleicht auf diese Weise auf deren Abgang hinwirken: Nachdem die Zürcher SVP wegen der kürzlichen Wahlergebnisse aus allen Wolken gefallen war, errichtete sie spontan eine Mauer des Schweigens. Denn noch sieht die Parteileitung ihr Brachialprogramm durch die rosarote Brille, dank des Zahns der Zeit ist es jedoch längst Schnee von gestern. Dass sich der einst meistgewählte SVP-Nationalrat zudem benimmt wie ein Elefant im Porzellanladen, bricht zwar ein paar gemässigten Mitgliedern im Zürcher Weinland schier das Herz, aber die wissen jetzt auch nicht, wie sie die Kuh bis im Herbst vom Eis kriegen könnten.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch