Nr. 18/2019 vom 02.05.2019

Der Bartli und sein Most

Von Karin Hoffsten

Dem Wesen des Kapitalismus wohnt die Notwendigkeit inne, jede Ware auf Teufel komm raus bekannt machen zu müssen, damit sie verkauft werden kann. Und wer hat schon nicht gern Werbegeschenke? Die Nachtcreme zum Beispiel, die ich einst in der Apotheke meines Vertrauens bekam, avancierte zu meiner Lieblingscreme, für die ich seither viel Geld ausgebe.

Auch Organisationen und Periodika binden ihre KundInnen gern mit kleinen Gaben oder Aktionen an sich – die Zeitung, die Sie gerade in Händen halten, bildet da keine Ausnahme –, wobei grundsätzlich zu erwarten ist, dass ein Geschenk nicht komplett im Widerspruch zum Schenkenden steht. So geben Firmen für Säuglingsartikel wohl kaum Präservativpäckchen ab, wenn Sie wissen, was ich meine.

Umso mehr überrascht mich, was die Mediengewerkschaft Syndicom ihren treuen Mitgliedern anbietet: eine «AgipPlus-Karte» des italienischen Energiekonzerns Eni, mit der man «in rund 100 Eni/Agip-Shops Tag und Nacht voll tanken» kann und «4,5  Rappen Rabatt pro Liter auf die Säulenpreise» erhält.

Dabei thematisiert das Gewerkschaftsleitbild doch «die Bewahrung der Lebensgrundlagen», man stelle seine Vision «der Globalisierung, Deregulierung und Privatisierung, einseitiger Produktivitätsgewinnverteilung, Gewinnmaximierung und dem Lohndruck» entgegen.

Es soll übrigens mal eine Zeit gegeben haben, in der man von Syndicom Vergünstigungen aufs Generalabonnement erhielt.

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