Nr. 19/2019 vom 09.05.2019

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Freiheitliche

«Bei zu viel Zensur kann es aber passieren, dass nicht nur Beiträge von Vollidioten ausgeblendet werden, sondern ein ganzes Thema nicht die Aufmerksamkeit bekommt, das es verdient», stand in der «NZZ am Sonntag». Es ist klar, dass in diesem Spannungsfeld das Aufmerksamkeit manchmal ins Defizit abgleitet.
Jürg Fischer

Verortete

Der «SonntagsBlick» wiederum schrieb: «SP-Nationalrätin Claudia Friedl (58, SP) versteht die Aufregung nicht.» Wir auch nicht, denn es hiess ja nicht «SP-Nationalrätin Claudia Friedl (58, FDP)».
Jürg Fischer

Undichte

Auf blick.ch schwelgte man derweil: «Endlich gehts in der NHL um die Wurst. Die Playoffs fesseln einen ganzen Kontinenten.» Wir fragen uns mit Leser K., ob die Spiele auch einen halben Inkontinenten fesseln könnten.
Jürg Fischer

Artgerechte

In der Berichterstattung des «Tages-Anzeigers» über den Zirkus Knie fanden wir den auf zwei Zeilen verteilten Begriff «Crow-dfunding». Wenn schon keine Elefanten und Raubtiere mehr, dann zumindest Krähen.
Jürg Fischer

Herumfliegende

«Kampfpiloten wurden wiederholt von unbekannten Flugkörpern ausmanövriert worden», meldete kürzlich sichtlich aufgeregt tagesanzeiger.ch. Ob das unheimliche Phänomen damit zusammenhing, was einige Tage später «20 Minuten» berichtete, wissen wir nicht: «Die Germania Flug AG lud ihre Passagiere auf einem Flug nach Zürich auf halber Strecke aus. Ein Schweizer Tourist wirft der AG Fahrlässigkeit vor.» Angesichts des groben Vorgehens der Fluggesellschaft überrascht, dass nur ein Gast reklamierte, und der auch nur zurückhaltend. Aber so tickt die Schweizer Volksseele nun mal, wie es schon vor Jahrzehnten der Lyriker Eugen Gomringer verdichtete: «luege, aaluege, zueluege, nöd rede, sicher sii, nu luege, nüd znäch, nu vu wiitem, ruig bliibe, schwiizer sii, schwiizer bliibe, nu luege».
Karin Hoffsten

Heimelige

Leidenschaftlich befasste man sich hingegen in der NZZ mit dem letzten «Tatort» aus Berlin: «Man hasst ihn, man liebt ihn, so wie die Stadt eben auch, die Abwehrreflexe produziert oder die Sehnsucht stillt. Den Reiz nach diesem unverwechselbaren Flair, das oft überschätzt wird und die Mischung aus dem Bösen, Schlechten, Abstossenden doch irgendwie heimelig werden lässt.» Wir hier wirken vielleicht etwas langweilig, weil wir nie den Reiz nach irgendwas fühlen. Den Reiz von korrektem Deutsch hingegen finden wir durchaus sexy.  
Karin Hoffsten

Wissenswerte

«Die Tabakkonzerne arbeiten zusammen im Verband ‹Swiss Cigarette›. Auf der Homepage prangert die beruhigende Botschaft: ‹Handel und Tabakbranche engagieren sich für Jugendschutz›», schrieb der «Infosperber». Es wird offenbar Zeit, auch Matthias Claudius neu zu lesen: «Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangern am Himmel hell und klar.» Ob diese schon damals die zu erwartende Klimaerwärmung anprangerten, untersucht derzeit eine neue Disziplin: die germanistische Umweltforschung.
Karin Hoffsten

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