Nr. 36/2019 vom 05.09.2019

Apollo in Gaza

Eine Liebesaffäre zwischen einer Israelin und einem Palästinenser, die Halluzinationen eines traumatisierten Exgefangenen und eine in Gaza verlorene Statue von Apollo, dem Gott der Künste – das sind die Themen von drei Filmen, die am ersten palästinensischen Filmfestival zu sehen sind. Dazu gibts einen Kurzfilmblock, einen Animationsfilm und Skype-Interviews mit den RegisseurInnen. Das dreitägige Festival verspricht einen konzentrierten Einblick in das palästinensische Kinoschaffen von heute – und in die schwierigen Umstände, unter denen die Filme realisiert werden.

«Palestine Arts: Hummus und Popcorn» in: Zürich Kosmos, Do–Sa, 5.–7. September 2019. www.palestine-arts.ch

Daniela Janser

Höchst aktuelles Seldwyla

Gottfried Kellers Novelle «Dietegen» als Dystopie, transferiert vom Spätmittelalter in eine Zeit nach dem ökologischen Kollaps. Der Gedanke scheint nicht so abwegig, wenn man an die Hexen, Intriganten und Warlords in «Game of Thrones» denkt. So wagt sich denn das Musiktheaterprojekt «Dietegen» an die Novelle aus dem Zyklus «Die Leute von Seldwyla»: Die junge Hauptfigur wird zum Auftragskiller, seine Braut organisiert Drogenpartys, der Staat ist zusammengebrochen. Mit herkömmlicher Oper hat das wenig zu tun. Keine Arien, dafür wird improvisiert. Das Smartphone wird zum wichtigsten Musikinstrument, dient aber auch der Kommunikation unter den Figuren. Bruno Spoerri, ein Pionier der elektronischen Musik, hat diese futuristische Klangwelt konzipiert, Mathias Spohr inszeniert. Ivan Engler steuert Filmsequenzen bei, und Katrin Kolo choreografiert. So entsteht eine multimediale Tragödie. Und Keller wird zu seinem 200. Geburtstag auf einmal wieder höchst aktuell.

«Dietegen» in: Zürich Tonhalle Maag, Mo–Do, 9.–12. September 2019, Beginn 19.30 Uhr. www.tonhalle-maag.ch

Thomas Meyer

Poesie am Apparat

Per Ende August wurden alle Telefonkabinen aus der Stadt Basel verbannt. Nun kehrt wenigstens eine von ihnen für ein paar Tage zurück: als Installation zum fünften Geburtstag des Basler Poesietelefons. Unter der Nummer 061 721 02 05 kann man in dieser alten PTT-Kabine – aber natürlich auch von jedem anderen Telefon aus – neun Lieblingsgedichte hören, ausgewählt und eingelesen von KritikerInnen des SRF-Literaturclubs. Wer danach seine heissen Ohren abkühlen will, geht am Samstag ans Schriftstellerländerspiel Schweiz–Israel oder flaniert am Sonntag zusammen mit Dreyland-DichterInnen durchs Dreiländereck.

«Tag der Poesie» in: Basel unter anderem bei der Elisabethenkirche, Sa/So, 7./8. September 2019; Poesiehotline und Telefonkabine bis 15. September. www.tagderpoesie.ch

Daniela Janser

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