Nr. 09/2020 vom 27.02.2020

Wo wir wohnen

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

«Könnte man eigentlich das Wort ‹Absurdistan› endlich mal weglassen? Was ist für uns so lächerlich an Ländern mit der Endsilbe ‹-stan›?», fragte jemand auf Twitter, als zu Ehren thüringischer Politik der Hashtag #Absurdistan erblühte. Dass die Endsilbe «-stan» an Ländernamen aus westlicher Optik negativ besetzt sein könnte, war mir nie in den Sinn gekommen, zahllose Länder und Regionen in Zentralasien enden ja so. Laut Wikipedia bedeutet sie in vielen alten und neuen Sprachen «Ort», «Heimat», «wo man steht» oder Ähnliches und ist auch in Stand, Statt, Stätte oder Stadt enthalten. 2014 wollte der Präsident von Kasachstan die aus seiner Sicht rufschädigende Silbe loswerden, doch obwohl er schon diverse Städte umbenannte – beim Land klappte es nicht.

Nun neige ich ja zur Ansicht, einige der betroffenen Länder verdankten ihren schlechten Ruf nicht dieser Endsilbe, sondern dem rüden Politstil, mit dem sie auch nach dem Ende der Sowjetunion regiert werden. Und den Gebrauch von «Absurdistan» finde ich weniger diskriminierend als angestaubt. Da böte sich doch an, bei bestimmten Verhältnissen nicht Zentralasien anklingen zu lassen, sondern den jeweiligen Standort absurder Vorgänge.

Die Auslassungen mancher Schweizer PolitikerInnen könnten unter #Schwaderloch oder #Kleinbösingen laufen, und für Deutschland gäbe es #Wahnwegen oder #Irrhausen. Doch um die BewohnerInnen dieser real existierenden Gemeinden nicht zu beleidigen, empfehle ich neutrale Hashtags wie #Trottelthal und #Wahnwil. 

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