Nr. 10/2020 vom 05.03.2020

Gleitcreme mit Glassplittern

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Kennen Sie Maria Monaco-Wunderli, Harry Schlüchter oder den Schwander Fritz? Hoffentlich nicht, denn diese BürgerInnen arbeiten sich derzeit in der öffentlichen Facebook-Gruppe «Eidgenossen» neben anderen an Bundesrätin Simonetta Sommaruga ab – auf tiefstem Niveau.

Das reicht vom Wunsch, diese solle «mal soo richtig vergewaltigt» werden, über «Früher wurden Verräter an die Wand gestellt» bis zu «Die muss so bald als möglich entsorgt werden. Sie ist ein Volksschädling». Dankenswerterweise dokumentiert Jolanda Spiess-Hegglin so etwas für den Verein Netzcourage.

Neben dem Geisteszustand der Genannten zeigen die Beispiele, dass die Forderung, in sozialen Medien sollten nur noch Klarnamen verwendet werden, gegen Hass im Netz wenig nützt: Diese Herrschaften bremst nicht im Geringsten, dass sie tatsächlich so zu heissen scheinen.

Hass gegenüber Frauen, wozu der oben zitierte Unrat zählt, thematisiert auch die Kampagne «Unhate Women» von Terre des femmes. In einem Video lesen Frauen Texte deutscher Rapper vor, deren explizite Gewaltfantasien einer die Sprache verschlägt. Doch Sprachlosigkeit ist hier am wenigsten angesagt – gegen solch frauenverachtenden Müll sollten sich nicht nur Frauen wortreich wehren. Zur Kampagne gehört auch eine Fotoserie, die einige der unerträglichen Texte zitiert und nun auf Twitter geteilt wird. Das verschafft ihnen eine ungewollte Prominenz, weil man sie – wie einige Reaktionen zeigen – irrtümlich für Werbung halten könnte.

Einer, der sich Finch Asozial nennt, träumt davon, wie sie schreit, weil er die Gleitcreme mit Glassplittern versetzt hat, was nicht nur brutal ist, sondern auch strunzdumm. Dieser Hip-Hop-Sektion ist wirklich nicht mehr zu helfen.

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