Nr. 21/2020 vom 21.05.2020

Aufruhr in der Wappenkammer

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Kriegen Sie auch dauernd so komische Videobotschaften vom Bundesrat, die unter dem Betreff «Klartext vom Bundesrat – Scheiss auf …» für ein aktuelles Thema sensibilisieren sollen? Nein? Dann gehören Sie wohl nicht zur Zielgruppe.

Aber diese Videos muss es geben – sonst hätte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ja keinen Grund, die Verbreitung eines Videoclips mit demselben Titel zu verbieten, den AktivistInnen des Klimastreiks produziert haben.

Darin erklärt eine junge Frau die neue Strategie «Scheiss auf die Zukunft», gemäss der «die Coronahilfsgelder so schnell wie möglich zu denen kommen sollen, die sie am meisten brauchen, zu unseren Freunden von der Flugindustrie». Das Ganze ist unschwer als Satire zu erkennen und als solche auch gut gelungen – nur nicht für die Bundesverwaltung.

Der Clip verstosse «in mehrfacher Hinsicht gegen Urheber- und Markenschutzrechte des Bundes und gegen das Wappenschutzgesetz», schrieb das BAG an die Klimastreikenden, zudem «suggeriert der Titel des Videos ‹Klartext vom Bundesrat – Scheiss auf die Zukunft›, dass es sich um eine Information des Bundesrates handelt».

Beim BAG hält man offenbar wesentliche Teile der Bevölkerung für so behämmert, dass sie die im Clip erwähnten «sieben geistigen Energiesparlampen» mit dem Bundesrat verwechseln könnten.

In den letzten Wochen haben wir dem BAG ja allerlei zugute und uns immer an die Abstandsregeln gehalten. Wir haben massenhaft Kreativität freigesetzt und nur nebenbei höflich darauf hingewiesen, dass auch die Klimakrise noch quicklebendig ist. Und da fällt den geistigen Energiesparlampen nichts Besseres ein als Zensur? Wirklich?

Es braucht eindeutig noch viel mehr «Scheiss auf»-Videos!

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