Nr. 32/2020 vom 06.08.2020

Verjüngungskur

Niemand würde es wagen, die WOZ als betagten Cousin oder als senilen Stiefvater oder gar als alte Tante zu bezeichnen. Aber jung, das ist sie halt auch nicht mehr wirklich. Bald 39 Lenze hat sie auf dem Buckel – da ist man auch nicht mehr ständig auf Achse: Seit 1999 residiert sie in denselben Räumlichkeiten an der Zürcher Hardturmstrasse 66. Über die Jahre hat sie allerhand Krimskrams angehäuft, ist zum Erstaunen aller gewachsen, und ihre Zähne sind zwar nicht gelb und gelber geworden, wohl aber die Wände ihres Fumoirs. Und irgendwann wars dann mal genug: Renovation! Umbau! 21. Jahrhundert!

Und so kam es, dass nach der Sommerpause tiefenentspannte RedaktorInnen und Verlagsmenschen sich Liedchen pfeifend an ihre angestammten Plätzchen fläzen wollten, dann aber feststellen mussten, dass da nichts mehr war ausser Böden und Wände – und emsige BauarbeiterInnen. Die schleifen jetzt das Parkett, bauen eine Lüftung und zwei neue Sitzungszimmerchen ein, und irgendwie muss dann auch noch das Nikotin von der Wand.

Die Zeitung wiederum, die wird in der Zwischenzeit in einem angemieteten Raum einen Stock tiefer produziert: Dort siehts aus wie in einem Start-up. Und man versucht sich auch entsprechend zu benehmen: Sitzungen im Stehen! 1 optimistische Mimik zur Schau tragen! Ideen pitchen! Kurz: Wir fühlen uns alle schon sehr verjüngt (und wer behauptet, das töne mehr nach Midlife-Crisis, den überzeugen wir bei einer Tasse Mandelmilch-Latte und ein paar tiefen Juul-Zügen gerne vom Gegenteil).

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