Nr. 32/2020 vom 06.08.2020

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Nährstoffreiche

«Der Mann spriesst nur so von Ideen, mit denen er den touristischen Wert der Region steigern möchte», frohlockte das Glarner Gratisblatt «Fridolin». Solche Ideen sind dann fürwahr auf dem eigenen Mist gewachsen.
Jürg Fischer

Eingemauerte

Weshalb es einen nicht nur subtilen, sondern potenziell lebensrettenden Unterschied macht, ob ein Wort klein- oder grossgeschrieben wird, beweist das Bundesamt für Gesundheit mit seinen «Anweisungen für die Quarantäne»: «Die erkrankte Person richtet sich allein in einem Zimmer bei geschlossenen Türen ein und nimmt die Mahlzeiten in Ihrem Zimmer ein.» Wir hoffen, dass Sie Ihre Bleibe hinterher gründlich abfackeln.
Jürg Fischer

Kreislaufrisikoausgesetzte

«Auch bekamen die Empfänger von Schweigegeldern heisse Füsse und zahlten die ‹Spenden› von Epstein zurück», meldete der «Tages-Anzeiger». Die Korrektur übersah es kalten Arsches.
Jürg Fischer

Störanfällige

«Der Standort des Horsts gibt das Jagdinspektorat nicht bekannt, um die empfindlichen Bartgeier von möglichen Störungen zu schützen», hiess es auf naturschutz.ch. Das geheim gehaltene Jagdinspektorat sollte sich auch mal um die Erwartungen kümmern, die Ostschweizer Spitäler laut «St. Galler Tagblatt» an Kranke haben: «Melden sich Patientinnen und Patienten nach dem coronabedingten Operationsstopp nur zögerlich zu Wahlangriffen an?» Diese brauchen doch all ihre Kräfte, um zu genesen.
Karin Hoffsten

Auserwählte

«Das Jungfraujoch ist der erfolgreichste Tourismusberg im Land», wusste die gleiche Zeitung, «seit Jahren purzeln die Besucherrekorde.» Rekorde purzeln natürlich nur vom Tourismusberg, der ja gar keiner ist, sondern ein Pass. Alles andere – ob Wandersleute oder Lawinen – purzelt von echten Bergen.
Karin Hoffsten

Ovogenetische

Die «Luzerner Zeitung» meldete, dass die NGO Recogn.ice mit einer Kunstaktion den Blick auf Gletscher lenke. Damit wolle sie «fürs Schmelzen des Eis sensibilisieren». Dass der Klimawandel auch Eier bedroht, ist in der öffentlichen Diskussion noch nicht wirklich angekommen.
Karin Hoffsten

Erschaffene

«‹Harry Potter›-Darsteller Daniel Radcliffe kritisierte seine Schöpferin J. K. Rowling für ihren Kommentar über Transmenschen scharf.» Mit dieser Bildlegende enthüllte die WOZ eine wissenschaftliche Sensation: Der Homunkulus existiert. Auch wenn WOZ-Leser A. Mrs Rowling keck Frau Frankenstein nennt, finden wir den Schauspieler Radcliffe geglückter als des Doktors Geschöpf.
Karin Hoffsten

Fragwürdige

Die Feststellung, eine Gesellschaft lasse «ihre KünstlerInnen nicht ohne Netz ins Elend fallen», auch in der letzten WOZ, liess Leserin A. (unseres Wissens mit obigem Leser nicht verwandt) fragen, ob wir es denn netter fänden, mit Netz ins Elend zu fallen? Netter nicht, aber sättigender.
Karin Hoffsten

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