Nr. 39/2020 vom 24.09.2020

Kein Tag wie heute (2)

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Heute begehen wir laut floristischem Gewerbe den «‹Dankeschöntag› für die Treue im Coronafrühling». Irgendwie muss der ausgefallene Muttertag ja kompensiert werden.

Historisch betrachtet springt ins Auge, dass am 24. September 787 eine Frau das Zweite Konzil von Nicäa einberief. Kaiserin Irene, mir bis dato vollkommen unbekannt, regierte das Byzantinische Reich, weil ihr Mann tot und ihr Sohn Konstantin noch ein Kind war. Wie immer gabs eine Menge Machtkämpfe, auch zwischen ihr und dem Sohn, als der erwachsen war. Irene gewann, weil Konstantin von ihren Anhängern geblendet wurde und an seinen Verletzungen starb. Abgesehen vom Blenden hat sich ja manchenorts wenig geändert.

Den 142. Geburtstag hat heute der Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz, dessen Bücher – wie sich kürzlich jemand bitter beklagte – in Deutschschweizer Schulen noch seltener gelesen werden als jene von hiesigen SchriftstellerInnen in der Romandie.

Anders bekannt wurde das 74-jährige Geburtstagskind Uschi Obermaier. Zeitweilig Mitglied der Berliner Kommune 1 und laut NZZ «das schönste Gesicht der Revolte», erfand sie das Berufsbild «Rockmusikgroupie» für den deutschen Sprachraum und kann in dieser Funktion auf einen «Three-Night-Stand» mit Jimi Hendrix zurückschauen.

Linda McCartney, Musikerin, Fotografin und Ehefrau von Paul McCartney, würde heute 79, wenn sie nicht viel zu früh verstorben wäre. Wie sie die Rockszene der Sixties und ihre Familie fotografierte, ist nach wie vor sehenswert.

Es war auch an einem 24. September, als 1978 achtzig Prozent der BernerInnen für einen separaten Kanton Jura stimmten und Edward Snowden 2014 den Alternativen Nobelpreis erhielt. Bekanntermassen hat sich in beiden Fällen die Lage noch nicht beruhigt. 

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