Nr. 39/2020 vom 24.09.2020

Von Jürg Fischer

Unterversorgte

«Mehre Personen wollten ohne Maske auf eine Veranstaltung», berichtete die «SonntagsZeitung», und im Veranstaltungsprogramm einer Zürcher Bar lasen wir: «Das Tragen von Masken während der Veranstalung ist plicht.» Vielleicht ist es besser, während des Schreibens die Maske abzunehmen, dann versteht man besser, was herauskommt. 

Relativierende

«Wem es derzeit merkwürdig erscheint, für eine Ausstellung nach Paris zu reisen, begibt sich (…) vom Sofa aus in die Welt von ‹Coco Chanel›», rät das Magazin der «NZZ am Sonntag». Der, der dabei ausgeflogen ist, kann bei solch virtuellem Genuss nicht allzu weit weg sein. 

Masslose

«Man kennt das Ritual aus RTL-2-Beiträgen über kommasaufende Problemjugendliche im Dunstkreis des deutschen Schlagers», wusste der «Bund». Diesem Phänomen, dem Satzzeichen-Überdosis-Risiko, sind leider sämtliche SuchttherapeutInnen der deutschsprachigen Welt noch nicht beigekommen. Dabei resultiert im besten Fall am anderen Tag eine harmlose Logorrhö.

Sachkundige

«Mangels Sachkenntnis kann sich der Narr nur empören. Die Lautstärke der Entrüstung scheint negativ zu korrelieren mit der Belanglosigkeit des Vorfalls.» Dies schrieb uns die NZZ hinter die Ohren. Wenn dieser Satz stimmt, muss man diese Ohren aber mächtig spitzen, um die Entrüstung nicht zu überhören.

Fleischeslustige

«Für die Aufnahmen hat Charrière jeweils zwei Drohnen benutzt, eine für den Schweinwerfer, die andere für die Kamera», behauptete letzte Woche die WOZ. Das muss ein rechter Splatterfilm sein, oder der Journalist schrieb das nicht nach, sondern vor dem Mittagessen.

Zahlenknappe

Sparsam scheint man in Basel-Stadt zu sein: Die dortige Regierung habe 5,4 Franken für die Sanierung des Ausschaffungsgefängnisses bewilligt, meldete die «Basler Zeitung». Sollen wir darüber nun froh oder entsetzt sein? Das gilt auch für den Staatshaushalt der USA, über den die «NZZ am Sonntag» schrieb: «Dieser beläuft sich allein für das laufende Jahr auf 5 Mio. $.» Für einmal ist das Resultat der falsch wiedergegebenen unterschiedlichen Bezeichnungen grosser Zahlen im Englischen und Deutschen also eine radikale Verknappung; gemeint waren 5 Billionen Dollar. Im Moment werweissen wir, ob wir den USA die Differenz gönnen sollen.

Schmerzlindernde

Die Fantasie kreditsuchender Menschen in Zeiten des E-Mail-Verkehrs ist hinlänglich bekannt, doch das folgende Schreiben, das uns erreichte, möchten wir Ihnen nicht vorenthalten (alles in Grossbuchstaben): «Beachtung, Sie sind zwei Herren, die heute zu unserer Bank kommen. Sie sind ihre Vertreter für die palliative Zahlung der internationalen Geldfonds. (…). Gut umkehren, bevor das Geschäft heute schliesst.» Kein Wunder, haben wir Mühe, den internationalen Geldströmen zu folgen. Wir sind bloss froh, ist unser Konto bereits sehr palliativ behandelt.

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