Nr. 08/2021 vom 25.02.2021

Von Jürg Fischer

Sedierte

«Ein kleiner Wermutstropfen für Menschen in finanzieller Bedrängnis: Konsumkredite mit Zinsen über 10 % sind seit Mitte 2016 verboten. Für Überziehungskredite bei Kreditkarten dürfen maximal 12 % verlangt werden.» Dies stellte die NZZ fest. Hmm, das ist auch eine Sichtweise: Du bist bereit, alles zu geben, darfst aber nur bis zu einer bestimmten Obergrenze bluten. Dafür gibts ein Gläschen Wermut gratis. Oder sind mit den Menschen in finanzieller Bedrängnis die Kredithaie gemeint?

Entgleiste

Die NZZ hielt auch fest: «Nachzüge seien die Zukunft der klimafreundlichen Mobilität innerhalb Europas, sagte sie einmal.» In dieser Form ist auch das eine unerwartete Bemerkung, die uns werweissen lässt, ob ein (Familien-)Nachzug von ausserhalb Europas die Klimafreundlichkeit nicht noch steigern würde. Aber die zitierte Sprecherin meinte nur den Nachtzug.

Verbandelte

«Während der Siegesparade gelobten beide Staatsoberhäupter die engen kulturellen und historischen Banden ihrer Völker nach dem Motto ‹zwei Staaten und ein Volk›», beobachtete das Portal infosperber.ch – gemeint waren die Staatsoberhäupter Alijew (Aserbaidschan) und Erdogan (Türkei) – und drückte damit ungewollt genau das Problem dieser wie vieler anderer Regionen aus: die kulturellen und historischen Banden.

Tröpfchenzählende

«Meistens hört der Spuck so schnell auf, wie er begonnen hat», schrieb «SRF Online». Schön wärs. Da kann eine Pandemie wüten, wie sie will, kulturell erworbene Fertigkeiten wie das Spucken sind hartnäckiger. Einzig das Maskentragen verhindert, dass das Sputum auf dem Trottoir landet.

Schablonenhafte

«Bundesrat schläft ‹vorsichtige Öffnungen› vor», meldete bluewin.ch. Zeigt sich der Bundesrat somit unbewusst als wahres Abbild des Volkes? Die Interpretation macht den Unterschied: übermüdet, verschnarcht, tiefenentspannt? Suchen Sie es sich aus!

Verwehrte

«Bei vielen Jüngeren weckt dieser Gedanke ungute Gefühle. Nicht, dass sie den Älteren Entspannung vergönnen würden. Auch für sie waren die letzten Monate hart.» Es war uns nicht vergönnt, aus dieser Formulierung der «SonntagsZeitung» hundert Prozent drauszukommen. Denn normalerweise vergönnen einem die Jüngeren nichts.

Unrettbare

«Als das Coronavirus Anfang 2020 durch New York fegte und die Fallzahlen in die Höhe schiessen liess, schritt der Gouverneur des Bundesstaates – Andrew Cuomo – tatkräftig voran, erliess neue Gesetze, versprühte Hoffnung und präsentierte sich als den Retter in Not», notierte watson.ch, das hier die Fallgesetze in die Tiefe fallen liess.

Rasende

Immerhin ist «Watson» nicht allein: «Dabei halten Virologen den Stoff für besser als sein Ruf und drängen auf Tempo», notierte die «NZZ am Sonntag». Hören Sie, was der Stoff ruft: Lest mich noch einmal durch.

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