Nr. 10/2021 vom 11.03.2021

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an Autor:in

Vertikale

Es hat sich längst eingebürgert, die Adjektive «volle» und «ganze» verkehrt anzuwenden, wenn eine bescheidene beziehungsweise eine beeindruckende Zahl ausgedrückt werden soll. Nun schliessen sich auch andere Adjektive diesem Sinneswandel an. Über die schottische Ministerpräsidentin schreibt die «NZZ am Sonntag»: «Seither schreitet die kaum 1,60 Meter kleine, energische Sturgeon in der schottischen Politik voran, unaufhaltsam und zielbewusst.» Hoffentlich ist Frau Sturgeon energisch genug, um weiterem Schrumpfen zuvorzukommen.
Jürg Fischer

Wertfreie

«Neuer Name, neue Chefredaktorinnen: Das Branchenmagazin ‹Schweizer Journalist› heisst neu ‹Schweizer Journaist:in› und wird von Samantha Zaugg und Charlotte Theile geleitet», wusste das Portal medienwoche.ch. Wir gehen davon aus, dass die zitierte Version des neuen Namens der Flüchtigkeit geschuldet ist und nicht einer unbewussten Angleichung an «Journaille».
Jürg Fischer

Sachkundige

«18 000 Beben haben die Insel in der vergangenen Woche erzittern lassen. Experten zufolge steht ein möglicher Vulkanausbruch bevor», entnahmen wir «Tages-Anzeiger online» bezüglich Island. Unter diese Experten reihen wir uns gerne ein, denn einen möglichen Ausbruch halten wir immer für möglich.
Jürg Fischer

Nachgebesserte

«Menschenrechte nicht nur bei Feinden anprangern», lasen wir in einem Titel auf infosperber.ch und rieben uns die Augen. Als wir das nächste Mal nachschauten, hiess es: «Menschenrechte nicht nur bei Feinden einfordern». Na also. Unsere Zuversicht ist gestärkt.
Jürg Fischer

Ungezählte

«6 Millionen Busse für Schwarzenbach» titelte der «Tages-Anzeiger», und wir fragen uns, wie der schwerreiche Zürcher Hotelier, der schon genug zu tun hat mit seinen unverzollt eingeführten Kunstwerken, jetzt auch noch den gigantischen Fahrzeugpark beim Hotel Dolder unterbringen soll. Wahrscheinlich hats sogar ein paar Doppelstöcker dabei.
Karin Hoffsten

Unterschätzte

Im Magazin der «NZZ am Sonntag» sollte uns die Anzahl FollowerInnen eines Blogs mit einem Vergleich vor Augen geführt werden, der Irritationen auslöste: Ihre Menge entspreche «auf Instagram mit 27 000 immerhin der Bevölkerungsgrösse St. Gallens». Während die unaufgeklärte Zürcherin ein «Ach, doch so klein?» auf den Lippen trug, schrieb uns Leser M., das tue weh und bestätige einmal mehr das Leiden der verkannten Kulturmetropole im Osten. Wir erwarten eine Richtigstellung.  
Karin Hoffsten

Diesjährige

Einen Bericht über den Besuch unseres Bundespräsidenten beim österreichischen Amtskollegen leitete die Moderatorin der «Tagesschau» so ein: «Beim Heurigentreffen aber ist nichts wie all die Jahre vorher, man trägt jetzt Maske und hält Abstand.» So hörten es jedenfalls unbefangene Ohren, was beim Beruf von Guy Parmelin ja auch naheläge, aber natürlich meinte sie das heurige Treffen. Die Erwartungen ans Heurigentreffen sind heuer aber auch eher nüchtern.
Karin Hoffsten

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