Nr. 12/2021 vom 25.03.2021

Es geht weiter

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Vorgestern erschien die lang ersehnte Kriminalstatistik des Bundes fürs Coronajahr 2020 und machte klar, dass es für Frauen – statistisch gesehen – keinen grossen Unterschied macht, ob sie sich im öffentlichen Raum bewegen oder im trauten Heim: Gefährlich kanns an beiden Orten werden.

Über die Frage, ob und wie sich hier Corona auswirken würde, war im Vorfeld viel spekuliert worden, man fürchtete eine signifikante Zunahme häuslicher Gewalt. Dass diese mit zwei Prozent sogar ein bisschen weniger zugenommen hat als im Jahr 2019 mit 6,3 Prozent, gilt offenbar als erfreulich: Bei «10 vor 10» nannte man es «moderat».

Schwieriger wurde die Berichterstattung über schwere Gewalttaten und Tötungsdelikte. «10 vor 10» bat dazu eine Kriminologin der Universität St. Gallen ins Studio. «Tötungsdelikte als solche» gebe es eher weniger in den letzten Jahren und Jahrzehnten, sagte diese. Das war die gute Nachricht.

Die Zahl der Tötungsdelikte an Frauen sei hingegen gleich geblieben, das sei «eine interessante Erkenntnis im Hinblick auf die häusliche Gewalt, die bleibt eigentlich stabil». Die Gründe dafür seien unklar. Es könne gut sein, dass «Tötungsdelikte an Frauen Delikte sind, die sich schwer verhindern lassen, die einfach bestehen, die auch konstanter sind als zum Beispiel Tötungsdelikte von Männern gegen Männer, die sehr viel volatiler sind».

Übrigens haben in den zwölf Wochen des laufenden Jahres in der Schweiz schon zehn Männer eine ihnen nahestehende Frau umgebracht. Zwar schaffen es nach und nach immer mehr Medien, das beschönigende «Beziehungsdelikt» durch das zu ersetzen, was es ist: ein Mord an einer Frau oder Femizid. Doch solange die Fachwelt Femizide als «konstant» und «schwer zu verhindern» betrachtet, wird sich da nicht viel ändern.

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