Nr. 23/2021 vom 10.06.2021

Der allerletzte Aufruf

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Um auf beruhigende Gedanken zu kommen, wird manch stimmberechtigtem Nervenbündel am Sonntag nicht viel anderes bleiben, als vorbeugend ein paar Tranquilizer zu schlucken. Die zuständige Bundesrätin gibt sich zwar alle Mühe, schon jetzt zu zeigen, wie man aufrechte BürgerInnen das Fürchten lehrt, doch eine Mehrzahl scheint die Einführung des neuen Antiterrorgesetzes (PMT) trotzdem unproblematisch zu finden: Wir sind gut, das System auch, da kann ja nichts passieren. Zum In-den-Teppich-Beissen!

Statt mir die Zähne zu ruinieren, verschickte ich deshalb vor zwei Wochen ein E-Mail an Bekannte mit der Bitte um ein Nein zum Gesetz. Ich kenne zwar niemanden persönlich, der dazu Ja stimmen will, aber: Vorsicht ist die Mutter des Urnengangs. Bald antwortete mir eine frühere Freundin: Wenn ich mich fürs Klima eingesetzt hätte, für etwas, das wirklich wichtig wäre, hätte ich sie beeindruckt. So aber sei sie enttäuscht über meinen Anthropozentrismus.

An meinem Weltbild hat mich selbst schon manches gestört – dass es den Menschen im Zentrum sieht, gehörte bis jetzt nicht dazu. Schliesslich sind Menschen für alles, was beim genannten Themenmix schiefläuft, mitverantwortlich, und sie können sich für Verbesserungen einsetzen. Es sei denn, sie stehen gerade aufgrund schwammiger Polizeigesetze unter Hausarrest.

Aber immerhin: Flugreisen können sie dann wenigstens auch nicht mehr machen. 

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