Nr. 42/2021 vom 21.10.2021

Blut, Schweiss und Urin

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Mit der «Arena» im Schweizer Fernsehen gehts mir oft wie mit einem Mückenstich, an dem man nicht kratzen soll, weil er dann nur noch mehr juckt. Eigentlich will ich die Sendung gar nicht sehen, aber dann muss ich ganz kurz gucken, wer da ist – und schon gehts los mit dem Juckreiz. Denn meistens steht ja auf einer Seite jemand, bei dem man sich fast blutig kratzen könnte. Das ist vermutlich der bekannte Lustschmerz.

Den verschaffte mir am letzten Freitag Martina Bircher, SVP-Nationalrätin und Frau Vizeammann von Aarburg, wo sie fürs Soziale zuständig ist beziehungsweise für das, was sie für sozial hält. Es ging um die sogenannte Pflegeinitiative, die Frau Bircher vehement ablehnt. Von einer Umsetzung profitierten ja nur «Studierte» und Akademiker:innen, fand sie. Die Pflegekräfte, die am Bett stünden, Patient:innen wüschen und zur Toilette brächten, seien gar nicht gemeint, womit sie auf der üblichen SVP-Klaviatur «schlichtes Volk versus Elite» spielte.

Auf der anderen Seite stand Patrick Hässig, einst Radiomoderator, heute diplomierter Pflegefachmann, der plastisch und überzeugend schilderte, wo er – obwohl in einer Leitungsfunktion – überall ganz konkret mit menschlichen Körpersäften in Berührung kommt.

Der Journalistin, die für «Watson» die Sendung kritisierte, passte das irgendwie nicht. «Was macht Hässig da in der ersten Reihe der ‹Arena›?», fragte sie, «kann er nach knapp fünf Jahren im Job – er begann seine Ausbildung im Jahr 2017 – glaubhaft über die Missstände der Pflegebranche debattieren? (…) Oder hat Brotz seinen Ex-Berufskollegen eingeladen, weil er so gut redet?»

Anscheinend wähnte sich die Schreibende einem Skandal auf der Spur – doch den gibts bloss in den Spitälern. Und wenn einer, der über die dortigen Arbeitsverhältnisse spricht, auch noch «gut redet», leuchtet das vielleicht bis zum November auch der stimmberechtigten Bevölkerung ein.

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