WOZ News :

Nr.  46 –

Anthropophage

«Wie wollen Sie die Landwirtschaft dazu bringen, weniger tierische und mehr menschliche Lebensmittel zu produzieren?», fragte der «Tages-Anzeiger» kürzlich einen Interviewpartner. Müssten wir antworten, würden wir dazu raten, menschliche Lebensmittel an Degustationen populärer zu machen. Jetzt, zur Metzgete-Saison, dürften Wädli und Schnörrli besonderen Anklang finden.

Trugreiche

«Und auch diese Klippe schien man zunächst gut zu meistern, wobei der Schein etwas getrügt habe.» Dieser Satz, der letzten WOZ entnommen, wurde leider nicht ganz zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Deutsche Verben sind manchmal stärker, als wir meinen.

Einfossilbige

Die ebenfalls der letzten WOZ entnommene Wortschöpfung «Lesitung» wiederum bezog sich nicht auf eine literarische Veranstaltung, sondern auf die Performance des in Birr AG geplanten fossilen Kraftwerks. Doch statt uns für die Fehlleistung zu tadeln, sollte man lieber dem Bundesrat die Leviten lesiten.

Markenrechtliche

Recht verwegen scheint uns eine Behauptung, die im «St. Galler Tagblatt» aufgestellt wurde: «Im April 2022 ist dann in Burgdorf das erste Bier mit ausschliesslich Schweizer Zutaten gegründet worden.» Leser M. vermutet den Grund für diese These darin, dass es zur Zeit, da St. Galler Mönche mit ausschliesslich regionalen Zutaten ihr Bier gründeten, die Schweiz ja noch gar nicht gegeben habe.

Bereichernde

Inmitten all der Schreckensmeldungen, die dem Kauf von Twitter durch Elon Musk folgten, fiel uns diese auf srf.ch besonders auf: «Nach dem neuen System bekommt das Häkchen alle, die acht Dollar pro Monat in einem Abo bezahlen.» Vorausgesetzt, die Twitter-Nutzer:innen wollen wirklich Abos lösen, dürfte das raffinierte Häkchen seinen Eigentümer finanziell bald überflügeln.

Juristische I

Aus einem Strafprozess berichteten diverse Medien, ein Anwalt habe geäussert: «Allerdings sei sein Mandant erwerbsunfähig. Er werde in einer geschützten Werkstatt beschäftigt und verbringe den ganzen Tag damit, Play-Station zu spielen. Er habe nie erfahren, was ein Familienleben bedeutet.» Davon abgesehen, dass das die Ehre geschützter Arbeitsplätze verletzt, steht doch gerade Play-Station spielen für ein lebendiges Familienleben.

Juristische II

Schenkte man der Berichterstattung verschiedener Zeitungen zu einem anderen Fall Glauben, machten sich viele ÖV-Benutzer:innen ständig strafbar: «Die zwei Verhafteten stehen unter dem dringenden Tatverdacht, nach einer vorerst verbalen Auseinandersetzung mit einem 32-jährigen Fahrgast den Bus an der Bushaltestelle Waser verlassen zu haben.»

Semantische

Leider keine echte Alternative enthält eine Aufforderung von Amnesty International anlässlich der WM in Katar: «Hinsehen, wo andere zuschauen».

woznews@woz.ch