WOZ News

Nr. 10 –

Beflügelte

Die «Luzerner Zeitung» rapportiert: «Flaumiger Nachwuchs im Tierpark Goldau: Am Mittwoch ist ein Bartgeier-Küken geschlüpft. Ein erster kleiner Knacks im Ei konnte man bereits am Samstag festzustellen.» Wir wünschen dem Geierchen alles Gute; möge es sich, anders als wir, dereinst von etwas Besserem als dem Kadaver der deutschen Grammatik ernähren können. 

Reduzierte

«Der seine Gäste zu Tränen kocht», lautet der Titel eines Berichts über einen Sternekoch im (Werbe-)Magazin «Basel aktuell». Ja, wir können diesen Trends in der Spitzengastronomie kaum folgen. Da sich nur ganz wenige Gäste einen wiederholten Besuch im Sterneschuppen leisten können, scheint es immerhin folgerichtig, sie gleich in die Rezeptur einzufügen.

Biegsame

Es ist März, und schon sehen sich der Schweizer und die Schweizerin wieder mit der Steuererklärung konfrontiert. Zum Glück finden alle Fragen auf einschlägigen Websites ihre Antworten, zum Beispiel beim «Online-Service ‹Steuern verwalten›» in Zürich. Da lesen wir: «Ich habe eine Erinnerungsmitteilung betreffend Erstbrechung erhalten. Was bedeutet das?» Vor allem bei erstmalig Steuerpflichtigen dürfte die Aussicht auf baldige Brechung Furcht auslösen. Wir Älteren haben längst gelernt, uns geschickt darunter wegzuducken.

Widersprüchliche

Unter dem Titel «Väterliche Hingabe lässt die Hoden schrumpfen» liess die «Basler Zeitung» eine Forscherin über fürsorgliche Glasfroschmännchen sagen: «Wenn die Männchen die Eier bewachten und umsorgten, senke dies die Spermienproduktion und sorge damit für grössere Hoden.» Ja, was denn nun?, sollte sich da jedes menschliche Männchen fragen, bevor es beschliesst, sich aus der gemeinsamen Nachwuchsfürsorge zu verabschieden.

Professionelle

Dabei kommt uns folgendes Statement der Gattin eines Fussballers im «Tages-Anzeiger» in den Sinn: «In einer Beziehung, gerade mit einem Fussballer, muss eine Frau extrem eigenständig sein.» Vermutlich werden gerade Fussballer von der Sorge um die eigene Hodengrösse aus dem Haus getrieben. Wir denken jetzt aber erst einmal darüber nach, welcher Männerberuf es einer Frau erlauben würde, ganz uneigenständig an seiner Seite ihr Glück zu finden.

Nekrophile

Über Pete Doherty wusste «Watson»: «Der Rockmusiker liebte Partys, war mit Topmodel Kate Moss von 2005 bis 2007 in einer Beziehung und feierte wilde Nächte mit der bereits verstorbenen Soul-Legende Amy Winehouse.»

Bedrohte

Was verbindet den Satz «Und doch sei es ihm unmöglich gewesen, bei den Engelberger Benediktiner zu bleiben» (srf.ch) mit der Bildlegende über eine kürzlich verstorbene Schauspielerin: «Johanna von Koczian in den späten 1950er-Jahre» («Watson»)? Es ist der geschundene Wemfall. Denn nicht nur Genitiv und Akkusativ führen ein gefährdetes Leben, sondern auch der Dativ: Immer wieder wird ihm im Plural das lebensnotwendige n geraubt.

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