Diesseits von Gut und Böse: Schall und Rauch

Nr. 28 –

Die Ferien nahen, und eigentlich müsste ja, wer fliegt, ständig ein schlechtes Gewissen haben. Haben aber die wenigsten, und die andern wollen sicher nicht bei jedem Start und jeder Landung daran erinnert werden, wie es beim Flughafen Mailand der Fall ist: Malpensa kann man nämlich mit «schlechte Gedanken» oder «schlechtes Gewissen» übersetzen.

Verkehrsminister Matteo Salvini scheint das zu stören, weshalb er bekannt gab, den Flughafen so schnell wie möglich nach einem der ganz grossen Italiener benennen zu wollen: Silvio Berlusconi. Dagegen regt sich jetzt Widerstand.

Eine kleine Recherche ergab, dass Flughäfen weltweit bevorzugt nach toten Männern benannt sind. Mit einigen Ausnahmen: Der Aeroporto Internacional da Madeira nennt sich Cristiano Ronaldo, und dass der noch lebt, haben wir gerade selber im Fernsehen gesehen. Vielleicht ist er nicht mehr auf der Höhe seiner Kräfte, aber sicher nicht tot.

Der Flughafen Zürich-Kloten wollte auch mal ein bisschen spezieller heissen, was verständlich ist, weil der Name Kloten zumindest in norddeutschen Ohren mit dem Begriff «Klöten» und damit ein wenig vulgär assoziiert wird. Man liess für viel Geld den Markennamen Unique kreieren, der aber seit 2010 nur noch im Ausland verwendet wird. Wer will schon in der bescheidenen Schweiz zu Hause ohne Erröten ankündigen: «Wir landen dann übrigens um 16.08 Uhr auf Einzigartig.»

Parallel zu Salvini wäre ja auch vorstellbar, dass – wenns erst einmal so weit ist – Verkehrsminister Albert Rösti den Zürcher Flughafen in International Airport Christoph Blocher umbenennen möchte. Aber das will ich hier nicht beschwören.

Grosse Unternehmer:innen hat unser Land ja noch mehr, aber leider nur zwei internationale Flughäfen, die deren Namen tragen könnten, und Bahnhöfe werden anscheinend nicht nach Persönlichkeiten benannt. Vielleicht ändert Milliardär Peter Spuhler, der wegen der Zukunftsinitiative der Juso auswandern will, ja seine Pläne, wenn man ihm anbietet, dem Bahnhof am Hauptsitz seiner Stadler Rail AG den Namen «Bussnang International Rail Station Peter Spuhler» zu verleihen. 

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