Diesseits von Gut und Böse: Keine Gefühlsduseleien
Wenns früh dunkel wird, aber an Fassaden und im trauten Heim die Lichtlein glitzern, steht Weihnachten vor der Tür, und mit ihr die berühmte Foie gras – die Stopfleber, die bei sogenannten Feinschmecker:innen als Delikatesse gilt. Deren Herstellung ist in der Schweiz seit 1978 verboten, weil sie als schwere Tierquälerei gilt, der Import jedoch nicht: Jährlich wird die Stopfleber von circa 300 000 getöteten Enten und Gänsen in die Schweiz importiert und offenbar verzehrt.
Dabei müsste doch jedem fühlenden Menschen der Appetit vergehen, sobald er weiss, wie der «Genuss» entsteht: Mehrmals täglich wird den jungen Tieren durch ein bis zu fünfzig Zentimeter langes Metallrohr Maisbrei in den Magen gestossen, damit ihre Leber wächst und verfettet. Ein Importverbot würde «die Wahlfreiheit der Konsumierenden einschränken», findet der Bundesrat, doch seit letztem Juli gilt eine Deklarationspflicht. Da steht dann wohl: «Ich starb unter Qualen, damits Ihnen schmeckt.»