WOZ News
Imperiale
«1907 hatte Frankreich als Protektorat von Kambodscha Grenzen gezogen», wusste der «Blick», und einmal mehr muss die Geschichte neu geschrieben werden. Zwar ist auch die Schutzmacht Kambodscha nicht mehr, was sie einst war, aber noch zeugen zahlreiche «französische» Namen vom früheren Einfluss («Macron», «Sarkozy», «Le Pen»).
Ödlandwirtschaftliche
«Glyphosat ist in der Schweiz sowie weltweit das am häufigsten verwendete Pflanzenschutzmittel. Es wird in Landwirtschaft, Gartenbau und Privathaushalten eingesetzt und bringt alle damit behandelten Pflanzen zum Absterben», entnehmen wir tagesanzeiger.ch. Falls uns mit dem Wort «Pflanzenschutzmittel» anstelle von «Herbizid» die Angst genommen werden sollte, ist das gründlich misslungen. Wir wissen nicht mal mehr, ob die Ermächtigungsparole «Unkraut vergeht nicht» noch Gültigkeit hat.
Ominöse
«Blancs Abschneiden als Deckweiss für durchzogenen Speed-Auftakt». Wenn Sie diese Überschrift auf srf.ch nicht auf Anhieb verstehen – wir auch nicht. Aha, es geht ums Skifahren, aha, die Zweitplatzierte heisst Blanc, aha, ein mehrdimensionales Wortspiel (Deckweiss!). Ein gefundenes Fressen, nachdem das Schweizer Frauenteam schon bisher nicht mit sprechenden Namen geizte: Rast, Gut.
Bestätigende
In unserer Kolumne über Mütter, die vor lauter Arbeit nicht zum Sprachenlernen kommen, war letzte Woche zu lesen: «Beschämt hört er die ihre Erklärung, weshalb sie immer noch nicht richtig Deutsch spricht.» Und irgendwer in dieser Zeitung anscheinend auch nicht, befürchten wir. Aber es kann nur besser werden!
Verwirrende
Wir wissen, dass die deutsche Ausgabe von «Le Monde diplomatique», die unserer Zeitung monatlich beiliegt, eine anspruchsvolle Lektüre ist, was sich zum Beispiel an folgendem Satz zeigte: «Um der Involution Einhalt einzudämmen, will man also die Marktfreiheit ausweiten […]». Völlig zu Recht fragte da Leser M.: «In welchem Kasus steht ‹Involution›?» Sollte es der Genitiv sein, wirkt es zumindest elegant.
Umgekehrte
«Ignazio Cassis erhielt weniger Stimmen als Parmelin und einen orangen Blumenstrauss, den die Mitglieder der Mitte erstaunte», stellten einige Tamedia-Zeitungen fest. Auch noch eine Woche später wundert sich der Blumenstrauss über die emotionale Reaktion der Mitte-Parlamentarier:innen.
Wässrige
Nachdem die Räte nun doch mehr Geld zum Schutz von Frauen vor Gewalt gesprochen haben, hat sich die Situation wieder beruhigt, aber der vorangegangene Protest der Linken muss brutal und vor allem nass gewesen sein: Laut blick.ch «folgten Spontandemonstrationen auf dem Bundesrat und eine Mail-Flut an die Ständeräte». Im Bundesrat waren zum Glück vorsorglich Helme verteilt worden. Und bei Tamedia berichtete man: «Die SP trat eine Welle los», worauf Leser P. sich fragte: «Um anschliessend über das Wasser zu schreiten?» – was ihr ja nun auch nahezu gelang. Man nennt es Feuchtdemokratie.