Wichtig zu wissen : Die See-Enge von Murg

Nr. 12 –

Ruedi Widmer über linke Journalist:innen und Erdöl in der Schweiz

Zu oft wird inzwischen geklagt, Journalist:innen seien viel öfter links als rechts. Gerade im Zusammenhang mit der (nur offiziell) verblichenen Medienabschaffungsinitiative der SVP. Der Ton ist stets vorwurfsvoll und endzeitlich.

Dabei wurde schon alles Mögliche ins Feld geführt, das diesen Umstand begünstigt, wie grösseres soziales Interesse, mehr Empathie, grössere Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, grösseres kulturelles Interesse. Dass es aber auch ganz profane Gründe wie die grundsätzliche politische Unterstützung des freien Journalismus durch linke Parteien gibt – geschenkt.

Umgekehrt stelle ich fest, dass parteipolitisch kaum jemand bemängelt, dass es keine linken Vermögensverwalterinnen oder Investmentbanker gibt. Es mag einige bunte Vögel geben, aber gemäss einer wohl bewusst nie realisierten Studie (HSG) fehlt es vielen Linken an der dafür notwendigen mathematischen Kälte, einer gewissen Zielstrebigkeit, den nötigen Kleidungsstücken, Uhren und Sportwagen oder ganz einfach an einer überdurchschnittlichen Gier. Es gibt zwar linksgrüne Banken, aber die sind wie reformierte Kirchen. Eigentlich ahnt man, dass da niemand so tief und fest an den Mammon glaubt, doch solange es Geld gibt auf der Welt, ist es besser, wenn es einigermassen vernünftig zu und her geht.

Ich glaube, Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner ist weniger beliebt als seine Vorgänger Klaus Wowereit oder Willy Brandt. Es wird ihm gerade sehr übel genommen, dass er beim kürzlichen Stromausfall im frierenden Berlin Tennis spielte, und noch mehr, dass er dies zuerst abstritt und auch noch einen Anruf bei Stromnetz Berlin vortäuschte. Das reicht eigentlich bereits, um politisch erledigt zu sein. Wie oft Donald Trump schon Golf spielte, während er sein Land weiter in den Schlund des Abgrunds fallen liess, zeigt, was ein Profipolitiker tun muss, um das Vertrauen der Massen zu halten: zu allem stehen, was man macht, und darauf stolz sein. Wegner hätte sagen sollen, Tennisspielen brauche ja eben genau keinen Strom, gebe warm, und es sollten noch viel mehr Leute Tennis spielen, statt sich über Nichtigkeiten zu empören.

Beim Krieg gegen den Iran ist eine wichtige Stimme verstummt. Nicht etwa die des Papstes oder der Uno, sondern jene des Friedensrats von Donald Trump. Dabei haben wir hier die historisch einmalige Chance, zu schnellen Resultaten zu kommen, weil zufälligerweise sein Vorsitzender selber den Krieg begonnen hat. Man kann gut erahnen, dass dieser beinahe göttliche Zufall seinem Schöpfer gar nicht bewusst ist. Was sagen eigentlich die Ständigen Vertreter von Albanien, Kasachstan, Ägypten, der Fifa, Ungarn, der Schweiz (?) und welche Länder auch alle da noch drinsitzen?

Dass sich auf der Tastatur manche Buchstaben gleich nebeneinander befinden, wird einem gewahr beim Lesen von Leserkommentaren, wenn der Vertipper von «Bodentruppen» ausgerechnet «Bidentruppen» ist.

Das ABC des Krieges: 2003 Irakkrieg, 2007 Iralkrieg, 2015 Iramkrieg, 2026 Irankrieg, 2030 Iraokrieg, 2033 Irapkrieg.

Die Strasse von Hormus soll nun von den Europäer:innen bewacht werden, so wie die Ukraine. Das, weil sich der Master of Wars nun Kuba vorknöpfen will und keine Zeit mehr für den Iran hat.

Die derzeit berühmteste Meerenge der Welt zeigt übrigens schön, weshalb die Schweiz kein Erdöl besitzt. Müssten bei uns solche riesige Tanker auf den Seen fahren, wären sie vor keiner Blockade sicher. Unsere Seen sind, abgesehen vielleicht von Genfer-, Neuenburger- und Bodensee, durchgehend nur Seeengen, man denke an die Strasse von Vitznau oder die Strasse von Morcote oder die Strasse von Murg. Wenn da widerspenstige Bergler mit ihren Bergdrohnen zuschlagen und dann so ein Öltanker ausläuft, dann Guet Nacht am Rütli.

Ruedi Widmer ist Cartoonist und lebt an der Strasse von Winterthur.