Was weiter geschah : RAF-Prozess: Das Ringen geht weiter
Bis zuletzt hatte der Prozess mit seiner eigenen politischen Dimension gerungen. Nun verurteilte das Landgericht Verden Daniela Klette am Mittwoch zu dreizehn Jahren Haft. Damit geht in Deutschland nach 69 Verhandlungstagen einer der letzten RAF-Prozesse zu Ende: Seit 1993 war nach Klette gefahndet worden – wegen mutmasslicher Mitgliedschaft in der Rote-Armee-Fraktion. 2024, über dreissig Jahre später, wurde sie in Berlin verhaftet.
Seit März 2025 stand die 67-Jährige nun vor Gericht: zunächst im Staatsschutzsaal in Celle, später in der eigens dafür umgebauten Verdener Reithalle. Verhandelt wurden dreizehn Raubüberfälle zwischen 1999 und 2016 auf Supermärkte und Geldtransporter, an denen Klette beteiligt gewesen sein soll. Weil bei zwei Überfällen Schüsse abgefeuert wurden, hatte die Staatsanwaltschaft unter anderem auf «versuchten Mord» geklagt und fünfzehn Jahre Haft gefordert; wobei sie nicht davon ausging, dass Klette geschossen hatte. Das Gericht folgte dieser Argumentation nun aber nicht.
«Im Kapitalismus», so die Angeklagte in ihrem Schlusswort, «werden das Eigentum und das Geld der Reichen mit massivem Aufwand vor der Bevölkerung geschützt», während die «Weisse-Kragen-Kriminalität» von der Justiz protegiert werde. Zudem drückte sie ihr Mitgefühl für die Geldboten und das Kassenpersonal aus, die unter den psychischen Folgen der Überfälle zu leiden hatten.
Das Ringen wird indes weitergehen: Auch die Bundesanwaltschaft hat gegen Klette Anklage erhoben – wegen dreier Anschläge, zu denen sich die RAF in den neunziger Jahren bekannt hatte. mes
Nachtrag zum Artikel: «Hat sie RAF gesagt?» in WOZ Nr. 22/25.