Wer mit Linken über die Abstimmung zur Individualbesteuerung sprach, hörte mitunter viel Gegrummel. Man störte sich an den Steuerausfällen von prognostiziert 600 Millionen Franken und murrte, dass die Falschen profitieren würden: Ehepaare nämlich, bei denen beide Partner:innen ein hohes Einkommen haben. Vor allem aber rieb man sich daran, dass die Initiative die «Heiratsstrafe» beseitigen sollte. Eine Initiative zur Stärkung der Ehe konnte keine progressive sein.
Im Kern aber war sie es eben doch. Dass künftig beide Ehepartner:innen eine eigene Steuererklärung auszufüllen haben und Frauen mit kleinem oder keinem Pensum nicht mehr automatisch bei ihren Ehemänner mit dem dickeren Portemonnaie eingerechnet werden, ist ein Fortschritt für die Gleichstellung in der Schweiz. Und zwar ein unbestreitbarer: Ein Steuersystem, dass patriarchale Hierarchien festigt, gehört bekämpft.