Diesseits von Gut und Böse: Friedlicher Fussball
Erinnert sich eigentlich noch jemand an Sepp Blatter? Das ist der freundliche Opa, der vor langer Zeit mal Präsident des Weltfussballverbands Fifa war und im letzten März im x-ten Berufungsprozess vom Verdacht des Betrugs, der Korruption und Bevorzugung freigesprochen wurde. Wie käme der Präsident eines gemeinnützigen, steuerbefreiten Vereins wie der Fifa, die keinen anderen Zweck hat, als den Fussball und damit den Weltfrieden zu fördern, auch dazu, kriminelle Energie zu entwickeln? Aber unschuldig wie ein Neugeborenes war der Sepp trotzdem nicht, denken Sie jetzt vielleicht.
Doch im Vergleich mit seinem Nachfolger Gianni Infantino ist er ein Waisenkind – trotz dessen kindlichem Namen. Seit der Gianni im Amt ist, hat er zwei Fussballweltmeisterschaften präsidiert, in Russland und in Katar. Beides sind nicht gerade Vorzeigedemokratien, und die Friedensstiftung durch die WM war auch nicht so erfolgreich. Nun soll der Fussball seine friedensstiftende Wirkung in den USA, in Mexiko und in Kanada entfalten. Vor ein paar Tagen wurden in Washington die Gruppen ausgelost.
Und dafür hat sich der Gianni etwas ganz Besonderes ausgedacht: Wie der Magier vor dem Kalifen zauberte er einen Friedenspreis aus dem Hut, von dem noch nie jemand gehört hatte (für Nachahmer:innen: «Wie bastle ich mir einen Friedenspreis?» in Chat GPT eingeben), mit dem er den US-Präsidenten als Ersten ehrte. Die zugehörige Goldmedaille überreichte er mit den Worten: «There is also a beautiful medal for you – you can wear it everywhere you want to go!» Der Herrscher – bei Glitzerkram und Schmeicheleien immer milde gestimmt – hing sich die Dekoration gleich selbst um den Hals und pries sodann die eigenen Verdienste. So viel zum Festakt.
Nun wissen wir ja alle, dass die ständig beschworene Formel, Sport und insbesondere der Fussball hätten ja überhaupt gar nichts mit Politik zu tun, die schleimigste Heuchelei ever ist. So wie die Fifa nicht gemeinnützig ist, sondern eine kapitalistische Geldmaschine. Aber überraschenderweise hat sie sogar eine Ethikkommission, die jetzt gegen den eigenen Präsidenten aktiv werden will. Wers glaubt, wird selig.