Reden, um nicht zu ersticken
- Datum:
- Ort: Hotel Regina Mürren
Borthalten 1036
3825 Mürren - Datum:
- Webseite: https://www.reginamuerren.ch/events/reden-um-nich…
Protagonistin Uschi Waser im Gespräch mit Buchautorin und WOZ-Redaktorin Silvia Süess über ihr Buch «Reden, um nicht zu ersticken»
Die Biografie von der 72-jähren jenischen Frau Uschi Waser, die als Kind ihrer alleinerziehenden Mutter weggenommen wurde, vom Hilfswerk Kinder der Landstrasse. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Sie ist in zahlreichen Heimen aufgewachsen. Seit Jahren kämpft sie für die Sichtbarkeit der Betroffenen, für deren Rehabilitierung und gegen das Vergessen.
Silvia Süess, 1976 in Brugg (AG), geboren, studierte an der Universität Bern und Fribourg Sozialanthropologie, Journalistik und Spanische Literaturwissenschaften. Sie ist seit achtzehn Jahren Kulturredakteurin bei der WOZ Die Wochenzeitung und hat zahlreiche Rezensionen, Porträts und Reportagen geschrieben und Interviews geführt. In mehreren Artikeln hat sie sich mit der Geschichte des Programms »Kinder der Landstrasse« auseinandergesetzt. Silvia Süess lebt mit ihrer Familie in Bern.
Die Verfolgung der Jenischen in der Schweiz ist ein «Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Zu diesem Schluss kommt im Februar 2025 ein im Auftrag des Eidgenössischen Departements des Innern erstelltes Rechtsgutachten. Von 1926 bis 1973 wurden über 600 jenische Kinder vom «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» ihren Familien unter dem Vorwand, sie vor einem liederlichen Leben zu retten, entrissen. «Kinder der Landstrasse» war eine Aktion der Stiftung Pro Juventute, durchgeführt mit Unterstützung der Behörden.
Das wegweisende Rechtsgutachten ist dem jahrzehntelangen Kampf der Betroffenen zu verdanken. Eine von ihnen ist Uschi Waser. Als Kleinkind wurde sie ihrer jenischen Mutter weggenommen. Sie wuchs in unzähligen Heimen auf, wo sie Gewalt und Demütigung erlebte. Erst mit über dreißig Jahren erfuhr sie, dass hinter ihrer leidvollen Kindheit und Jugend die Stiftung Pro Juventute stand. Als sie ihre Akten las, brach sie zusammen.
Reden, um nicht zu ersticken zeigt anhand ihrer Lebensgeschichte, mit welcher systematischen Grausamkeit «Kinder der Landstrasse» gegen Familien vorging und welche Folgen das für die Betroffenen bis heute hat. Zugleich erzählt das Buch von einer Frau, die unermüdlich um Rehabilitierung und Gerechtigkeit kämpft.