Im Affekt: Alles für den Frieden
Die USA sind ein spezielles Land, was allein schon am Personal abzulesen ist, mit dem dort Spitzenposten besetzt sind: Kash Patel etwa, Chef der Polizeibehörde FBI, gönnte sich eben erst ein verlängertes Wochenende in Mailand, nicht um Charlie-Kirk-Kritiker:innen zu jagen, sondern weil er den Olympiasieg des US-Eishockeyteams live erleben wollte. Hinterher durfte Patel sogar in der Kabine mitfeiern.
Bekanntlich sonnt sich die Politik gerne mal in sportlichen Triumphen, die vom FBI-Chef im Netz kursierenden Videos allerdings waren dann doch von besonderer Qualität: Patel sprang aufgeputscht durch den Umkleideraum und schluckte und verspritzte ausgiebig Bier, ganz so, als wäre er ein den Ferien am Mittelmeer entlaufener Kegelbruder.
Nun gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, dass bald auch Fifa-Chef Gianni Infantino ähnlich enthemmt herumhampeln und «USA! USA!» blöken könnte – dann nämlich, wenn diese bei der im Sommer in Nordamerika und Mexiko ausgerichteten Fussball-WM ebenfalls Erfolge feiern sollten. Infantinos Lebensprojekt besteht ja darin, als schamlosester Stiefellecker aller Zeiten in die Annalen einzugehen. Erst hatte der Walliser einen «Fifa-Friedenspreis» erfunden, um diesen dem US-Präsidenten Donald Trump schenken zu können. Nun kündigte er an, sich auch in dessen «Friedensrat» zu engagieren: Der Weltfussballverband will Geld für den Wiederaufbau des Gazastreifens sammeln, ein Vorhaben, das bei seiner Bekanntgabe mit einem mittels KI generierten und selbst für Fifa-Verhältnisse bemerkenswert zynischen Video illustriert wurde, das glückliche arabische Kids auf vielleicht irgendwann mal errichteten Bolzplätzen zeigt. Dazu schwadronierte Infantino über die einigende Kraft des Fussballs.
In besagtem Friedensrat wollen ansonsten Staaten wie Belarus oder Saudi-Arabien mitmachen. Mittlerweile wäre man selbst über die Entdeckung eines Kometen auf Kollisionskurs mit der Erde froh, wenn das Typen wie Patel und Infantino die Party verderben würde.
75 Millionen US-Dollar will die Fifa für Gaza einsammeln – sprich: Der Verband plant nicht, das Geld selbst beizusteuern.