Aus der Küche des Wahnsinns : Wir sind prima Primaten

Nr. 17 –

Karin Hoffsten wünscht sich mehr Vernunft.

Bei der Erwähnung von Wahnsinn kommt einer ja zwangsläufig Donald Trump in den Sinn, dem es gelingt, sich immer noch selber zu toppen. Oder haben Sie sich noch vor zwei Jahren vorstellen können, dass ein US-Präsident die KI ein Bildchen produzieren lässt, auf dem er als handauflegender Jesus die Lahmen und Siechen heilt? Und dann auch noch erstaunt beteuert, er habe sich doch nur als Arzt darstellen wollen? Was ja neben dem, was er sonst so treibt, völlig harmlos ist, aber erfreulicherweise sein evangelikales Umfeld aufschreckt.

Was im Hauptjob von Trump zu erwarten war, beschrieben vorausschauende Köpfe schon während seiner ersten Amtszeit detailliert. Von daher ist der rasende Demokratieabbau im eigenen Land ebenso wenig eine Überraschung wie das wirre Stolpern in Kriege gegen andere Länder. Beim Gedanken, dass ein Präsident, der Kim Jong-un versicherte: «Ich habe den grösseren Knopf!», ungehinderten Zugang zum berühmten Atomkoffer hatte, wurde es manchen schon damals schlecht.

Doch erstaunlicherweise gibt es in der Schweiz nach wie vor real existierende Trump-Verehrer, die bekanntesten zwei dürften Gianni Infantino und Markus Somm sein. Der eine verdient sich gerade mit den WM-Tickets seiner mafiösen Fifa einen goldenen Pimmel – Tickets fürs Endspiel werden laut «Tages-Anzeiger» derzeit für 10 990 US-Dollar gehandelt –, der andere versuchte in seiner «SonntagsZeitung»-Kolumne am Beispiel seiner Kinder nachzuweisen, dass – nach Heraklit – der Krieg eben doch der Vater aller Dinge sei.

Bei Familie Somm liessen nämlich die Mädchen die Buben nicht im trauten Playmobilheim mitspielen, dafür wurde in der Hand der Knaben «jeder Besen zu einem Laserschwert und jeder Korb zu einer Handgranate». «Buben spielen gerne Krieg», weiss drum Herr Somm. Und «um zu siegen, muss man den Krieg üben», und «wer Krieg führt, braucht einen Feind», und den «finden Buben (später die Männer)» immer.

In seinem «Nebelspalter» machte sich Chefredaktor und Verleger Somm noch ausführlichere «Gedanken zum Iran-Krieg aus Sicht der Evolutionsbiologie», denn: «Trump ist wie alle Menschen ein Primat. Wir (und die Schimpansen) führen gerne Kriege.» So bleibe gültig, was Heraklit, «der grosse griechische Philosoph, schon wusste, ohne dass er etwas von der Evolution unserer Spezies geahnt hätte».

Ach, die alten Griechen … die hielten sich ja auch gerne Sklav:innen. ●

Den Namen für die neue Kolumne verdankt Karin Hoffsten übrigens ihrer Freundin und WOZ-Leserin J. K., die damit beim Redaktionskollektiv einen Volltreffer landete.