Im Affekt: X: Menschen­verachtung als Premium-Feature

Nr. 3 –

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In Indonesien liegt zweifelsohne viel im Argen: Wers verpennt haben sollte, möge online rasch nach «Proteste» und «Südostasien» suchen. Zumindest aber lässt sich vom Inselstaat lernen, dass man sich von Techoligarchen nicht alles bieten lassen muss. Indonesien sperrte am Samstag als erstes Land der Welt den Zugang zu Elon Musks KI-Bot Grok. Grund sind die gefälschten Nacktbilder, die seit Wochen das soziale Netzwerk X fluten.

Dort verwenden User:innen den Bot dazu, Personen auf Fotos auszuziehen. Erwartungsgemäss betrifft das vor allem Frauen und Mädchen, die beispielsweise in aufreizende Unterwäsche hineingerechnet wurden – die im Dezember hinzugefügte Funktion löste einen regelrechten Belästigungstsunami aus. Laut dem britischen «Guardian» wurde Grok am 8. Januar 6000 Mal pro Stunde dazu aufgefordert, ein Bikinibild zu erstellen. Darunter finden sich zahllose Fakes von Teenagerinnen, laut «NZZ am Sonntag» auch solchen, die an Silvester in Crans-Montana ums Leben kamen. Auch die von einem ICE-Beamten in Minnesota erschossene Renee Nicole Good blieb nicht verschont. Inzwischen steht das Tool nur noch gegen Gebühr zur Verfügung, was die Menschenverachtung per Mausklick aber lediglich in ein Premium-Feature verwandelt hat.

Und was macht Europa? In Brüssel will man prüfen, ob das, was auf X abläuft, EU-Regularien entspricht. Das muss man wohl als schlappe Reaktion bezeichnen. Immerhin kündigte Keir Starmer entschiedene Schritte an, worauf Musk den britischen Premier des «Faschismus» bezichtigte und gewohnt larmoyant etwas von bedrohter Redefreiheit faselte.

Soll er doch. Statt immer wieder zu kuschen, wäre es ein Dienst an der Menschheit, Musk den Stecker zu ziehen. Nicht wegen religiös motivierter Prüderie, die im Fall der südostasiatischen Vorreiter ausschlaggebend gewesen sein dürfte. Sondern um zivilisatorischer Mindeststandards willen. Diese verhandelt man nicht, schon gar nicht mit rechtsextremen Würstchen mit viel zu viel Geld.

Wie lange wohl noch Schweizer Bundesräte auf der Creep-Plattform X aktiv bleiben werden? Vielleicht weiss ja Grok eine Antwort!