Leser:innenbriefe
Einfach nur wütend
«Pharmaindustrie: Drohungen im Wochentakt», WOZ Nr. 4/26
Herzlichen Dank für eure tolle Arbeit. Die Aussagen des Artikels würde ich sofort unterschreiben, allerdings macht mich, als Mitarbeitende einer Apotheke, die keiner Kette angehört, die Illustration zum Text einfach nur wütend. Die ewige Gleichsetzung der Pharmaindustrie mit dem Bild des geldgierigen Apothekers ist schlichtweg falsch.
Diese Erkenntnis traue ich auch der WOZ-Leser:innenschaft zu. Trotzdem möchte ich hier nochmals klarstellen, dass wir in der Apotheke genauso unter den Launen der Industrie leiden. Gerade bei hochpreisigen rezeptpflichtigen Medikamenten ist der Betrag, den wir daran «verdienen», lächerlich klein und macht den Aufwand mitnichten wett.
In Apotheken arbeiten grösstenteils Frauen, die Arbeitszeiten sind nicht sehr attraktiv und die Löhne tief. Ich bin überzeugt, dass es für uns alle zum Berufsstolz gehört, unsere Kund:innen gut zu beraten und nicht über den Tisch zu ziehen.
Eva Gnant, per E-Mail
Was wird bejubelt?
«Nahost: Ein Wendepunkt in Syrien», WOZ Nr. 4/26
Der Artikel hat mich schockiert. Seit Jahren bombardiert die Türkei Spitäler, Kraftwerke und Ambulanzen im selbstverwalteten nordsyrischen Gebiet Rojava, tötet und verstümmelt Menschen. Begründung: Die dortigen Volksverteidigungseinheiten YPG und YPJ (Frauen) seien ein «Arm der PKK». Und nun steht die türkische Kriegspropaganda wörtlich so in der WOZ. Ein Foto zeigt uns feiernde Männer (in der Legende als «Zivilisten» beschrieben), die Einheiten der «syrischen Armee» bejubeln. Die Einheiten, die in Rakka einfuhren, bestehen nicht aus irgendeiner «Armee», sondern zu einem rechten Teil aus ehemaligen Al-Kaida-Leuten und aus islamistischen Söldnern der Türkei.
Feiern die Männer von Rakka wirklich nur, weil die diskrimierende Selbstverwaltung, die der mehrheitlich arabischen Bevölkerung aufgezwungen wurde, abziehen musste? Oder feiern sie auch, weil es nun mit den Frauenrechten vorbei ist? Weil die Doppeltbesetzung aller Machtpositionen mit einer Frau und einem Mann zu Ende geht? Weil Gewalt gegen Frauen zu Hause und in der Öffentlichtkeit im Namen von Religion und Tradition wieder erlaubt sein wird? Weil die Stammesfürsten und ihre Soldateska wieder die ganze Macht haben werden? Weil ihre Brüder, Söhne und Cousins, die sich den Unmenschen des IS angeschlossen hatten, wieder frei werden?
Donald Trumps USA, Israel und die EU samt der Schweiz unterstützen den neuen Machthaber Ahmed al-Scharaa, einen ehemaligen Al-Kaida-Mann. Die USA und Israel wollen eine Plattform gegen den Iran, und der Rohstofffreak Trump will das Öl. Die europäischen Regierungen wollen aus lauter Angst vor ihren teils rechtsextremen Wähler:innen möglichst schnell möglichst viele Flüchtlinge aus Syrien loswerden. Und gehen dafür einen Pakt mit dem Teufel ein. Defend Rojava.
Christoph Hugenschmidt, per E-Mail
Vegan hilft
«Diesseits von Gut und Böse: Die Fleischkur», WOZ Nr. 3/26
Die beschriebene Episode der Fast-Food-Fleisch essenden Donald Trump und Robert F. Kennedy und die Wandlung der US-Ernährungspyramide ganz Richtung Tierprodukte zeigt: Vor den unschuldigen, leidenden Tieren haben diese zwei antiwoken Politiker keinen Respekt. Abgesehen davon, dass dieser Trend Klima und Gesundheit belastet, bedeutet er vor allem schnelle Mästung, Zusammenpferchung in engen Ställe und aktive Tötung noch als Jungtier für zusätzliche Milliarden Landtiere neben den bisherigen achtzig Milliarden jährlich! Bitte, werden wir wieder menschlicher und beenden dieses tagtägliche Töten.
Renato Werndli, Eichberg