Kommentar : KKS bleibt konsequent
Um die Wirksamkeit der UBS-Regulierung zu prüfen, empfiehlt Enrico Kampmann einen Dezibelmesser.
Seit zwei Jahren läuft die UBS Sturm gegen strengere Eigenkapitalvorschriften. Nachdem sie die Credit Suisse zum Schnäppchenpreis übernehmen durfte – ein Akt, den sie gern als Dienst an der Allgemeinheit verkauft –, warnt sie ständig vor katastrophalen Folgen einer «Überregulierung».
Vergangene Woche erneuerte Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher den nur dünn verschleierten Erpressungsversuch: Man wolle in der Schweiz bleiben, sehe sich aber verpflichtet, «geeignete Optionen» zu prüfen, um die Folgen «extremer Vorschläge» zu begrenzen. Übersetzt: Wer die UBS reguliert, riskiert ihren Wegzug.
Man muss es Finanzministerin Karin Keller-Sutter zugestehen: Trotz der Drohkulisse ist sie nicht eingeknickt. Am Mittwoch präsentierte der Bundesrat die Eckpfeiler der neuen Too-big-to-fail-Regulierung. Auf Verordnungsstufe ist Keller-Sutter der Grossbank in einzelnen Punkten zwar entgegengekommen – etwa bei der regulatorischen Behandlung von Software, die weniger streng ausfällt als noch in der Vernehmlassung.
Beim Kernpunkt aber bleibt KKS hart: Auslandstöchter sollen vollständig mit Eigenkapital im Stammhaus unterlegt werden. Das bedeutet für die UBS einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 22 bis 26 Milliarden US-Dollar. Allerdings: Hier hat das Parlament das letzte Wort. Und die Diskussion dürfte laut werden.
Im «SonntagsBlick» lieferte Ex-FDP-Ständerat Ruedi Noser bereits Schützenhilfe. Er warnt vor einem «wegregulierten» Finanzplatz. Die CS sei schliesslich nicht an zu wenig Kapital, sondern an Managementfehlern gescheitert. Dass ausgerechnet Noser das sagt, ist bemerkenswert: Er sass im Verwaltungsrat der CS Asset Management Schweiz AG, die mit dem Vertrieb der berüchtigten Greensill-Fonds einen der kapitalsten Fehler in der Schweizer Bankengeschichte beging, der zum Niedergang der CS beitrug.
Ob die Vorschläge tatsächlich weit genug gehen, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Es lohnt sich, einen Dezibelmesser auf dem Paradeplatz aufzustellen. Es gibt kaum einen verlässlicheren Indikator für eine wirksame Regulierung als die Lautstärke des Protests aus der UBS-Chefetage. ●