Nr. 09/2018 vom 01.03.2018

SDA-MitarbeiterInnen wollen weiterverhandeln

Von Merièm StruplerMail an Autor:in

Die Proteste bei der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) gehen in die nächste Runde: «Die Stimmung ist nach wie vor kämpferisch», sagt SDA-Redaktor Sebastian Gänger. «Wir sind zwar perplex ob der Haltung des Verwaltungsrats und teils ein bisschen müde. Aber wir geben noch lange nicht auf.»

Ende Januar war die Redaktion in einen unbefristeten Streik getreten, da sie von drastischen Abbaumassnahmen bedroht ist: Insgesamt sollen 35,6 von 150 Vollzeitstellen abgebaut, 19 von 180 MitarbeiterInnen entlassen werden. Darunter sind 11 über Sechzigjährige – sie zwingt man geradezu in die Frühpension. Weitere 51 MitarbeiterInnen müssen eine Reduktion von bis zu dreissig Prozent ihres Pensums in Kauf nehmen.

Nachdem sich der SDA-Verwaltungsrat Anfang Februar nach vier Streiktagen endlich zu Verhandlungen bereit gezeigt hatte, sistierte die Belegschaft ihren Streik bis auf Weiteres. Doch schon nach vier Gesprächsterminen erklärte der Verwaltungsrat die Verhandlungen für gescheitert. Nun soll die Einigungsstelle des Staatssekretariats für Wirtschaft schlichten.

Eine solche Vermittlung kann sich die SDA-Belegschaft durchaus vorstellen – unter einer Bedingung: Die Kündigungen und Stellenkürzungen müssen ausgesetzt werden, zumindest bis das Schlichtungsverfahren abgeschlossen ist. Dies solle der Verwaltungsrat bis zum 1. März schriftlich bestätigen, fordert die Redaktion.

«Wir wollen verhandeln und sind bereit, diesen Weg zu gehen», sagt Gänger. «Aber wir müssen verhindern, dass zugleich hinter den Kulissen weiter abgebaut wird. Deshalb brauchen wir dieses Bekenntnis als Pfand.»

Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin der Mediengewerkschaft Syndicom, die gemeinsam mit dem Berufsverband Impressum den Widerstand der SDA-Belegschaft unterstützt, sieht das genauso: «Man kann nur etwas schlichten, das verhandelbar ist und nicht bereits durch vollendete Tatsachen zementiert wurde.»

Tritt die SDA-Redaktion wieder in den Streik, wenn der Verwaltungsrat die Kündigungen nicht sistiert? Damit werde sich die Redaktion beschäftigen, wenn es so weit sei, sagt Vonarburg. Aber auch die Direktion der SDA sollte sich Gedanken um die Zukunft machen: «Bislang konnte niemand plausibel darlegen, wie die SDA mit viel weniger Stellen umfassend und qualitativ hochwertig arbeiten soll.»

Nachtrag zu den Artikeln in WOZ Nr. 6/2018, WOZ Nr. 4/2018 und WOZ Nr. 51 + 52/2017.

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