Nr. 09/2019 vom 28.02.2019

DatensünderInnen gesucht

Von Susan Boos

Die Big Brother Awards (BBA) sind zurück – die «Oscars für Datenkraken», wie «Le Monde» den Preis einmal träf nannte. Dieser Tage läuft in der Schweiz seit langer Zeit wieder einmal eine Nominierungsrunde an. Bis am 15.  April kann man schlimme DatensünderInnen melden: Gesucht sind Unternehmen, staatliche Institutionen oder Personen – mit Sitz in der Schweiz –, die Daten sammeln und missbrauchen.

Die Big Brother Awards wurden in der Schweiz zwischen 2000 und 2009 regelmässig verliehen, organisiert von der Swiss Internet User Group (SIUG), dem Verein grundrechte.ch und der Konzeptgruppe der Roten Fabrik. Danach zerfiel die Organisationsgruppe. Jetzt hat eine neue Gruppe übernommen, mit dabei der Chaos Computer Club Schweiz, die Digitale Gesellschaft, die Stiftung für Konsumentenschutz und die Pep-Stiftung, die sich für eine einfache Verschlüsselung einsetzt; die WOZ wird die Awards als Medienpartnerin unterstützen.

Die neuen Organisatoren haben sich im Rahmen des sogenannten Digitaltags zusammengefunden. Der Bund zelebriert jeweils im Herbst mit grossem Brimborium die Digitalisierung, hat es bislang aber versäumt, eine kritische Perspektive zu integrieren (siehe WOZ Nr. 43/2018). Diesen Part übernahmen deshalb – am Rand des Digitaltags – die drei Organisationen (die Pep-Stiftung war nicht dabei). Da passt es auch, dass nun die Verleihung der Big Brother Awards im Umfeld des nächsten Digitaltags im kommenden Herbst angedacht ist.

Nominierungen sind unter www.bigbrotherawards.ch einzureichen. Zur Inspiration können die BBA aus Deutschland dienen (digitalcourage.de/blog/2018/bigbrotherawards-2018-preistraeger). Im vergangenen Jahr erhielt beispielsweise das Konzept der Smart City einen Preis. In der Laudatio hiess es: «Mit dem Werbebegriff ‹Smart City› versuchen Technikfirmen, der Kommunalpolitik die ‹Safe City› zu verkaufen: eine mit Sensoren gepflasterte, total überwachte, ferngesteuerte und kommerzialisierte Stadt. ‹Smart Cities› reduzieren BürgerInnen auf ihre Eigenschaft als KonsumentInnen, machen KonsumentInnen zu datenliefernden Objekten und unsere Demokratie zu einer privatisierten Dienstleistung.»  

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