Nr. 47/2011 vom 24.11.2011

Kampfstarke

Wir gratulieren der «NZZ am Sonntag» zum «European Newspaper of the Year» in der Kategorie Wochenzeitungen, verliehen durch die Organisation European Newspaper Award. Gleichzeitig erkennen wir noch Potenzial, wenn wir die Ausgabe vom vergangenen Sonntag lesen: «Wenn er auf Ali eindreschte im Geviert der Seile, war das kein Sport, sondern bitterer Ernst.» Locker war nur der Umgang mit der Beugungsform.
Jürg Fischer

Paläonthologische

Andererseits zeichnet die «NZZ am Sonntag» ein historisches Bewusstsein aus, das weit über das übliche hinausgeht: «Vulkanausbrüche, Meteoritenhagel und keine Luft zum Atmen – wie in diesem Chaos vor vier Milliarden Jahren Leben entstehen konnte, bleibt bis heute rätselhaft. Dabei schien Stanley Miller, damals Doktorand in Chicago, der Lösung so nahe.» Immerhin verfügte Stanley Miller schon damals über eine Atemschutzmaske. Auf verschlungenen Wegen gelangte sein Samen in die Hand des lieben Gottes.
Jürg Fischer

Wohnliche

Nicht verantwortlich ist die «NZZ am Sonntag» für den Inhalt ihrer Anzeigen, etwa für ein «herrschaftliches Anwesen» in Rapperswil-Jona: «Das wunderschöne Landhaus enthält neben der Hauptwohnung ein Gäste- und ein Dienstenappartement, ein Lift ab Garage bis zum DG, ein Hallenbad, ein Garten-Pavillon, ein Treibhaus und eine sehr gepflegte Gartenanlage mit altem Baumbestand.» Die gesuchten «sehr kapitalkräftigen Interessenten» sollten besser aus neuerem Geldadel stammen, wo man auch mal einen fehlenden Wortbestandteil oder einen abgemurksten Akkusativ verschmerzen kann. (PS: Zudem sollten sie das Anwesen möglichst vor dem 31. Dezember ihren Nachkommen überschreiben, um den Katalysatoren der Neidkultur ein Schnippchen zu schlagen.)
Jürg Fischer

Schmelzende

Der «Bund» berichtet aus Bern: «Auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) stellte sich hinter die Reitschule: Über 2000 Leute aus der ganzen Region pilgerten an den Wochenenden in die Reitschule – die meisten davon verliefen friedlich.» Der Stadt entstanden lediglich Kosten durch das Entsorgen der Überreste.
Jürg Fischer

Menschliche

Der weibliche Sprachgebrauch hat sich in der Medienwelt etabliert, wenn auch zuweilen in eigenwilliger Form. «Beatrice Weder die Mauro fordert als Wirtschaftsweisin den harten Schuldenabbau», schrieb die «Süddeutsche Zeitung», und der «Tages-Anzeiger» wollte wohl implizit auf seine Distanz zur Kirche hinweisen: «Die Sympathie für Occupy brachte Pfafferin Verena Mühlethaler auch Kritik ein.» Der Titel, den der «Blick» kürzlich setzte, war sprachlich korrekt: «Am Mythen kommt eine Wanderin geflogen», denn es war eine Frau, die laut Bericht zu Tode kam. Über den weiteren Geisteszustand der Person, die das schrieb, ist nichts bekannt.
Karin Hoffsten

Fleissige

«In einer ausgewogenen Mischung (…) aus Disziplin und Muse» besteht gemäss «Magazin»-Chefredaktor Finn Canonica «der Schlüssel zum Glück». Wie wahr. In Mussestunden ist nämlich auch die Muse meist zu faul zum Küssen, und zuweilen braucht es harte disziplinarische Massnahmen, um sie in erotische Stimmung zu bringen. Dann aber knutscht sie mit Vergnügen.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch