Nr. 50/2011 vom 15.12.2011

Film

Lars von Trier

Filme machen soll hart sein, sagte der dänische Regisseur Lars von Trier diesen Sommer auf einem Podium in Berlin und gestand sogleich, dass er ein schlechtes Gewissen habe, weil er die Dreharbeiten von «Melancholia» zu sehr genossen habe. Nicht nur von Trier selbst leidet jeweils bei seinen Dreharbeiten, auch seine Schauspielerinnen müssen hart unten durch: So sagte die Sängerin Björk, die in «Dancer in the Dark» (2000) die Hauptrolle spielte, sie wolle nie mehr mit von Trier drehen, denn er sei ein Sexist und ein Seelenräuber.

Trotz allem gehört von Trier zu den grössten und wichtigsten zeitgenössischen Filmemachern. Das Stadtkino Basel zeigt im Dezember das Gesamtwerk des Regisseurs, die Filme sind im Januar auch im Filmpodium Zürich zu sehen. Nebst seinen bekanntesten Werken wie «Breaking the Waves» (1996), «Dogville» (2003) oder dem Dogma-Film «Idioterne» (1998) ist auch sein erster Film, «Element of Crime» von 1984, zu sehen.
Silvia Süess

Filme von Lars von Trier in: Basel Stadtkino, 
bis Ende Dezember; in: Zürich Filmpodium, Januar 2012. www.stadtkino.ch /www.filmpodium.ch

Theater

Verloren in der Industrielandschaft

Welch ein Titel: «Industrielandschaft mit Einzelhändlern». Die Überschrift kommt aus dem Jahr 1970 und steht über einer Erzählung des Brecht-Schülers Egon Monk, der auch als Vordenker des politischen Fernsehspiels bekannt geworden ist. Gezeigt wird darin das Schicksal eines Drogisten, der alles richtig macht – und dennoch scheitert.

Derweil sein Geschäft je länger, je schlechter läuft, unterzieht sich dieser Einzelhändler einer kritischen Selbstbeobachtung. Doch auch nachdem er sein Erscheinungsbild nach allen Regeln der Werbung der Kundschaft angepasst und sein Sortiment nach allen Regeln des Marketings verknappt und «optimiert» hat, konstatiert er, dass sich seine Situation keineswegs verbessert hat.

Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Globalisierung und eines alles beherrschenden Finanzkapitalismus liest sich Monks Text vierzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung erstaunlich aktuell. Der Schauspieler Thomas Sarbacher, der schon mehrere Monologe auf der Basis von erzählerischen Texten realisiert hat, bringt Monks Erzählung im Auftrag des Theaters Winkelwiese in einer Leseperformance erstmals auf die Bühne.
Adrian Riklin

«Industrielandschaft mit Einzelhändlern» in: 
Zürich Theater Winkelwiese, Do–Sa, 15.–17., 
und Mi–Fr, 21.–23. Dezember, 20.30 Uhr. 
www.winkelwiese.ch

Festival

Joyful Noise

Der Saal des Bieler St. Gervais – des Clubs «Étage» – wird an zwei Tagen zu einem grossen Teil mit Instrumenten, elektronischen Gerätschaften und Kabel aller Art angefüllt sein. Dazwischen versammeln sich Bieler MusikerInnen und Gäste zum Joyful Noise Festival.

Der Cellist Martin Schütz und der Saxofonist Hans Koch haben vor einigen Jahren den Grundstein für die Konzertreihe und das Festival gelegt. Die beiden haben früh begonnen, gegen den rechten Winkel in der Musik anzuspielen, und in Biel einen besonders fruchtbaren Boden vorbereitet. Das Joyful Noise Orchestra hat sich über die Jahre prächtig entwickelt und ist auf vierundzwanzig Beteiligte angewachsen.

Gemeinsam repräsentieren sie unzählige musikalische Richtungen und finden lustvoll zusammen – oder streben wieder auseinander. Sie lassen Ecken und Kanten stehen, mögen schiefe Winkel und gewölbte Flächen. Mit dabei sind – nebst anderen – Momo von den legendären Débil Menthol, die pfiffige Big Zis und der Akkordeonist Jonas Kocher. Der Schlagzeuger Julian Sartorius sucht etwas Abwechslung von den Heidi-Happy-Zeiten, und Gaudenz Padrutt setzt sich hinters Piano. Vincent Membrez und Raphael Raccuia lassen elektronische Klänge durch den Saal rauschen, und Lionel Gaffner sorgt am Bass für eine gute Erdung. Wenn ein solches rebellisches Programm Biel verzaubert und erschüttert, fehlen natürlich auch Koch und Schütz nicht.
Fredi Bosshard

Joyful Noise Festival in: Biel St. Gervais, Fr/Sa, 16./17. Dezember, 21.30 Uhr. www.etageclub.ch

Comedy / Chanson

Malediva

Zuerst sei hier gewarnt: «Malediva» kann Ihre Unschuld gefährden! Möglicherweise wird Ihr Familienfest unter dem Christbaum nach einem Besuch der Antiweihnachtsshow «Lebkuchen» nie mehr sein wie zuvor. Denn so schön wie die zwei männlichen Diven Lo Malinke und Tetta Müller, am Flügel begleitet von Florian Ludewig, kann niemand wunde Punkte schmerzen lassen und den all- respektive festtäglichen Wahnsinn sezieren. Die Jungs aus Berlin sind liebenswerte Experten für zwischenmenschliche Beziehungen, sie schwelgen in betörendem Gesang und bösen Texten («Weihnachten mit den Eltern ist wie Weihnachten mit Hunden: Jede Minute zählt siebenfach.»).

Malediva, 2006 mit dem deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet, touren regelmässig auch durch die Schweiz, doch ihr Weihnachtsprogramm, das in Deutschland seit Jahren Kult ist, ist dieses Jahr zum ersten Mal hier zu sehen.
Ruth Wysseier

Malediva, «Lebkuchen» in: 
Zürich Miller’s Studio Do–Sa, 15.–17. Dezember, 20 Uhr. www.millers-studio.ch.

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