Nr. 50/2011 vom 15.12.2011

Asylgeschäft der ORS hat politische Folgen

Vergangene Woche hat die WOZ aufgedeckt, dass die Firma ORS Service AG im Geschäft mit Asylsuchenden und Flüchtlingen 55 Millionen Franken umsetzt. Jetzt haben die Recherchen der WOZ auch Folgen im Parlament: Die Nationalräte Cédric Wermuth (SP) und Balthasar Glättli (Grüne) bereiten derzeit eine Interpellation vor, in der sie vom Bundesrat Aufklärung über die Geschäfte der ORS verlangen.

In der Zürcher Gemeinde Weiach zieht die ORS gemäss einer Abrechnung, die der WOZ vorliegt, den Asylsuchenden 700 Franken Miete («Nutzung Wohnraum») von der staatlichen Pauschale von knapp 1500 Franken ab. Der Wohnraum ist ein rund zwölf Quadratmeter grosses Zimmer, das sich die Asylsuchenden zu dritt teilen müssen. Den zehn dort wohnhaften Personen werden also im Jahr 84 000 Franken berechnet. Die Gemeinde zahlt dem Hausbesitzer aber laut Rechnung nur «18 000 Franken» Miete (inklusive Unterhaltskosten, die Miete allein beträgt lediglich 6000 Franken). Das ergibt eine Diskrepanz von weit über 60 000 Franken. Die ORS weigert sich auf Anfrage, der WOZ die Differenz zu erklären. Sie weist alle Vorwürfe von sich: «Auch wenn wir versuchen würden, Ihnen gegenüber die Vorwürfe zu entkräften, müssten wir damit rechnen, dass Tatsachen wiederum falsch oder missverständlich dargestellt werden. In diesem Sinne werden wir also keine weiteren Fragen der WOZ beantworten.»

Die Nationalräte Wermuth und Glättli wollen nun vom Bundesrat wissen, warum etwa die Krankenkassenprämie der Asylsuchenden 371,95 Franken kostet, wenn die günstigste Krankenkasse in Weiach nur 255 Franken kostet. Zudem soll mit der Interpellation geklärt werden, wie die Dienstleistungsfirma ORS vom Bund kontrolliert und nach welchen Kriterien die ORS ausgewählt wird. 

Die Gemeinde Weiach will die Angelegenheit jetzt «intern abklären». Die WOZ hat beim Bundesamt für Migration (BFM) um Einsicht in Leistungsvereinbarung und Tätigkeitsberichte der ORS AG gebeten. Ob der WOZ Einsicht gewährt wird, ist offen: Die ORS ist eine private Firma und kann dagegen Einspruch erheben. 

Carlos Hanimann und Jan Jirát

Nachzug zum Artikel «Die Asylprofiteure» 
in WOZ Nr. 49/11.

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