Nr. 02/2012 vom 12.01.2012

Städtischer Blues

Einst gehörte Nadja Zela der Zürcher Rockband Rosebud an. Einen Rosenstrauss verdient sie sich auch mit der dritten Solo-CD, «Wrong Side of Town». Ein Glanzstück ist ihr da gelungen, und man könnte fast von einem Trend sprechen: Kleinformationen wie Franky Silence & Ghost Orchestra (Luzern) oder Fitzgerald & Rimini (Bern) betören zurzeit mit verspielter und aufs Wesentliche reduzierter Musik, ohne der Innerlichkeit vieler Singer / SongwriterInnen zu verfallen.

Nadja Zela besetzt in diesem Biotop die Nische des modernen Blues. Da schwingt mehr Tom Waits mit als Bob Dylan und Leonard Cohen. Diese Songs neigen weniger zum Pathetisch-Gefühligen, schwingen eher im Stimmungsvoll-Dunklen. Im Titelstück singt Zela, sie sei auf der falschen Seite der Stadt geboren. Es ist ein Bluegrass-inspiriertes Stück über Verlockungen, die als Preis die Seele fordern. Ihre Antwort: Ich bleibe, lebe und sterbe, wo ich geboren bin, auf der falschen Seite der Stadt. Eine schöne Absage an all die popmusikalischen Glamourversprechen.

Das Duo Nadja Zela (Gesang, Gitarre, Banjo) und Martin Fischer (Schlagzeug) harmoniert auf dieser Platte perfekt. Retro ist auf «Wrong Side of Town» nur der Fundus, aus dem Zela schöpft, das Delta und Chicago, New York und Altstetten. Sehr heutig ist der Klang dieser Bluesplatte. Oliver Maurmann von den Aeronauten hat sie sparsam und herrlich unaufgeregt produziert – ohne Retrofirlefanz und Nostalgieschabernack, sondern mit Präzision, dem guten Gefühl für die Reduktion und einem harten Gitarrenriff gelegentlich. Inhaltlich geht es um Trennung und Liebe, um Heimweh und den rätselhaften Reichtum der Stadt, in der die Songschreiberin wohnt. Das ist persönlich, geschmackvoll – und selbst in einem idyllischen Lied wie «Golden Years» nicht süsslich. Da feiert Nadja Zela mit Soul das Familiengefühl. So viel Familiendenken darf sein, auch ohne dass man deswegen CVP wählen muss.

Raphael Zehnder

Nadja Zela: «Wrong Side of Town». Patient Records / Irascible.

Nadja Zela in: Zürich, Helsinki, 
Fr, 20. Januar, 21 Uhr.

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