Nr. 02/2012 vom 12.01.2012

Zwei Jahrestage bei Nestlé

An manchen Jahrestagen wird frohlockt. So feierte die philippinische Tochter des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé vergangenes Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Allen voran feierte John Miller, der oberste Boss der Nestlé Philippines (NPI). Eine eigens zum Jubiläum produzierte Anzeigenserie, die in den philippinischen Medien geschaltet wurde, trug seiner Firma landesweit gleich mehrere Preise ein. In einem Werbespot empfahl sich NPI als generationenübergreifende, die Familien mit «guter Nahrung und gutem Leben» versorgende, rundum fürsorgliche Firma. «Unsere Mission besteht darin, auch in Zukunft Generationen philippinischer Familien zu ernähren und zur Entwicklung einer starken und prosperierenden Nation beizutragen», sagte Miller in Dankesreden.

Dann gibt es Jahrestage, die nicht unbedingt ein Grund zum Feiern sind. Etwa im NPI-Werk Cabuyao, das etwa vierzig Kilometer südlich der Metropole Manila liegt. Dort bereiten sich gerade ArbeiterInnen auf den kommenden Samstag vor. Vor dann genau zehn Jahren, am 14. Januar 2002, waren die etwa 700 Beschäftigten des Betriebs in einen Streik getreten, der bis heute andauert. Sie wollten eine betriebliche Altersrente im Rahmen eines Gesamtarbeitsvertrags (GAV) durchsetzen. Die NPI-Geschäftsleitung zog dagegen vehement zu Felde. Pensionsansprüche seien flexibel zu handhaben und kein Thema im Rahmen des GAV. Zwei Präsidenten der unabhängigen Nestlé-Gewerkschaft Union of Filipro Employees (UFE), Meliton Roxas und Diosdado Fortuna, kostete ihr Engagement das Leben; sie wurden ermordet. Vermutet werden als Täter Angehörige des Werkschutzes, bewiesen ist allerdings nichts. Etwa fünfzig Streikende starben seit Beginn des Streiks eines natürlichen Todes.

Dennoch will Noel Alemania, der 47-jährige Nachfolger von Roxas und Fortuna, nicht aufgeben. Eines ärgert den ebenso sanften wie hartnäckigen Aktivisten gewaltig. Allein im ersten Quartal 2011 blätterte NPI 1,67 Milliarden Peso (umgerechnet etwa 36 Millionen Franken) für Werbespots in philippinischen TV-Stationen hin. «Ein Bruchteil dieser Summe», so Noel, «hätte allemal für ‹gute Nahrung und gutes Leben› unserer Leute ausgereicht.»

Rainer Werning

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