Nr. 05/2012 vom 02.02.2012

Aus die Maus

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Frauen gelten ja nicht nur als das schöne Geschlecht, sondern auch als jenes, das von Natur aus das Leben hegt und pflegt. Doch wenn die Frau im Spiegel erstmals ihre Zornesfalte entdeckt, ist Schluss mit der naturgegebenen Fürsorglichkeit. Dann will sie Botox. Hunderttausende lassen sich regelmässig das Gift in die Gesichtsmuskulatur spritzen, auf dass sich ihre Stirn nicht mehr runzle.

In der «SonntagsZeitung» las ich, wie das Produkt geprüft wird: «Labormäuse erhalten das Nervengift Botulinumtoxin, kurz Botox, in die Bauchhöhle gespritzt. Der einsetzende Lähmungsprozess dauert mehrere Tage, bis die Tiere schliesslich an einer Atemlähmung ersticken. Mit dem sogenannten LD50-Test wird jene Konzentration des Gifts ermittelt, die nach einer bestimmten Zeit 50 Prozent der Tiere tötet. Jedes Jahr verenden so weltweit etwa 600 000 Mäuse.» «LD» bedeutet letale Dosis, wobei ich mir auch die überlebenden fünfzig Prozent nicht mehr allzu quirlig vorstelle.

Nun ist eine Maus kein Chihuahua, und jede Frau hat das unveräusserliche Recht, sich zum Zombie spritzen zu lassen. Ausserdem soll Botulinumtoxin demnächst tierversuchsfrei getestet werden. Blöd ist nur, dass Botox aus einer älteren Frau keine junge Frau macht. Bloss eine ältere Frau, die mit Botox behandelt wurde.

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