Nr. 13/2012 vom 29.03.2012

Best Practice

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Auf die Frage «Was ist ein Paradox?» erhielt ich als Kind die scherzhafte Antwort: «Wenn ein Standbild von Goethe durch die Bäume schillert.» Heute würde ich sagen: SVP-Bildungspolitik.

An einem Sonderparteitag verabschiedete die Partei ein Grundlagenpapier, das die «Lehrer-Lehre statt Pädagogische Hochschulen» fordert: «Die Lehrer-Lehre dauert für Oberstufenlehrer drei, für Primarlehrer zwei Jahre. Die Lehrer-Lehrlinge erhalten während der Zeit ihrer Lehre einen Lehrlingslohn».*

In der Schweiz dauern Berufslehren drei oder vier Jahre, zweijährige Lehren richten sich an Jugendliche mit sogenannt praktischer Begabung, und gerade bei Primarlehrern ist der SVP der Praxisbezug ja sehr wichtig. Wie üblich soll auch der Lehrer-Lehrling vier Tage im Betrieb – also der Schule – lernen, an zwei Halbtagen erhält er theoretisches Grundwissen. Erst-Lehrjahr-Stifte holen am Morgen Gipfeli und fegen am Abend den Schulzimmerboden.

Geradezu enthusiasmiert von diesen Überlegungen, sähe ich bei anderen Ausbildungen weiteres Sparpotenzial: Wer je «Grey’s Anatomy» gesehen hat, weiss schliesslich, dass auch die Chirurgie vor allem eins ist: solides Handwerk.

*Die weibliche Form ist nicht mitgemeint, damit das Gejammer über frauendominierte Schulen endlich aufhört.

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