Nr. 13/2012 vom 29.03.2012

Überzogene

Dass die Gründerin des internationalen «Salon du Chocolat» in Zürich, zu dem wir eingeladen worden sind, Sylvie Douce heisst und somit übersetzt gleich wie WOZ-Redaktorin Silvia Süess, ist Zufall; auf jeden Fall passt der Name ganz gut zur Materie. Dass aber für die Veranstaltung mit dem Satz «Tauchen Sie ein in die Welt der Schokolade» geworben wird, lässt uns hoffen, dass auch Duschen bereitstehen.
Jürg Fischer

Klimagewandelte

Kaum ist der Frühling da, gibts kein Halten mehr; und so wirbt der Outdoor-Ausrüster Transa: «Raus. Aber richtig. Geniess Dein Sommer!» Ja, wir sind auch schon ganz aus dem Häuschen. Das Blues wird uns noch früh genug unters Blüschen fahren.
Jürg Fischer

Katapultierte

Dass mit Fussballtrainern nicht zimperlich umgegangen wird, wissen wir. Was sich das Management des FC Zürich laut «20 Minuten» mit dem entlassenen Cheftrainer Urs Fischer erlaubt hat, geht unseres Erachtens jedoch zu weit: «Strategische Überlegungen: Canepa erklärt Fischers Raufwurf, Bickel hört zu.» Fischer soll mit Prellungen davongekommen sein.
Karin Hoffsten

Exotische

«Hallo, ich bin ein netter, höflicher und gebildeter 29-jähriger Schweizer Mann und möchte ein seriöses, sympathisches Mädchen afrikanischen oder indianischen Ursprungs, das in der Schweiz aufgewachsen ist, kennen lernen», lasen wir im «Tagblatt der Stadt Zürich». Damit ihm auch weisshäutige Maiteli gefallen, empfehlen wir ihm Propranolol. Laut «Tages-Anzeiger» soll das Herzmedikament auch gegen unterschwelligen Rassismus wirken.
Karin Hoffsten

Präventive

Über die Familie des Mörders von Toulouse berichtete dieselbe Tageszeitung: «Nachdem der Vater in den 1990er Jahren die Familie mit den fünf Kindern verlassen hatte und zurück nach Algerien gezogen war, fehlte zu Hause eine väterliche Figur.» Unter dem Gesichtspunkt der Terrorbekämpfung sollte die nach wie vor verbreitete Praxis, Kinder nach der Scheidung der Mutter zu überlassen, nur noch mit grosser Vorsicht angewendet werden.
Karin Hoffsten

Knifflige

Das Wirtschaftsgeschehen zu verstehen, das bleibt je länger, je mehr allein ExpertInnen vorbehalten. So schrieb der «Bund»: «Zwei Hauptaktionäre Platz gemacht haben die Mitglieder auf Wunsch der beiden Grossaktionäre.»
Karin Hoffsten

Unterleibliche I

Nur ganz nebenbei erwähnte der «Tages-Anzeiger», dass sich Mitglieder britischer Adelshäuser von der anglikanischen Kirche ab- und einer anderen, nicht näher bezeichneten, Glaubensrichtung zugewandt haben müssen: «Die Lords werden beschnitten.»
Karin Hoffsten

Unterleibliche II

Dass uns Sätze wie «Eine Frau (…) zerschlägt ihr im Einkaufszentrum die Eier» (WOZ) und «Lindsey Vonns Neuer: Sein Stab misst fünf Meter» («Blick Online») überhaupt auffallen, zeugt hingegen lediglich von pubertären Rudimenten in unserem Denken.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch